Wie macht man eine verdammt witzige (visuelle) Komödie?

visual-comedy

Was macht einen komischen Film _wirklich_ komisch? Dieser Frage ist Tony Zhou anhand des Beispiels der “Cornetto”-Trilogie (Shaun of the Dead, Hot Fuzz, The World’s End) des britischen Regisseurs Edgar Wright und der klassischen Hollywood-Blockbuster-Komödie nachgegangen. Und kommt dabei zu spannenden, wenn auch diskussionswürdigen Ergebnissen: Er stellt die Hypothese auf, dass Edgar Wrights Filme so viel witziger sind, weil er nicht nur die Dialog-Ebene als komisches Element benutzt, sondern auch die visuelle. Die Hollyood-Komödie ist tot. Es lebe die britische.

Gut, dass die Briten einen ganz speziellen Humor haben, wissen wir spätestens seit Monty Python. Wenn es aber nach Zhou geht, ist es vor allem die schwache filmische Leistung, die eine Jennifer-Aniston-Comedy gegen einen Zombies jagenden Simon Pegg abstinken lässt. Er vergleicht die beiden Arten von Komödien also auf der handwerklichen Ebene des Regieführens. Dazu stellt er zahlreiche Szenen gegenüber, die zeigen sollen, welche Chancen Regisseure verpassen, wenn sie die textliche Ebene nicht durch visuelle Elemente der Komik wie z. B. Slapstick oder Kameraführung ergänzen. Seht am besten selbst:

(Video Direktlink für Mobiluser)

Ok, ich verstehe, worauf er hinauswill und das Video ist sehr überzeugend. Er hat die Kunst der visuellen Komik schön herausgearbeitet. Allerdings enthält seine Argumentation auch einige Schwachpunkte. Meiner Meinung nach macht er zwei Fehler:

1. Er will eigentlich zeigen, wie man visuelle Komödien macht, nimmt dann aber das allgemeine Genre Komödie und vergleicht zwei absolut unterschiedliche Subgenres, nämlich Mainstream Comedy wie “Hangover” oder “Wir sind die Millers” mit Parodien und Slapstick. Zunächst einmal ist das Schreiben von pointierten Dialogen immernoch die Königsdisziplin eines jeden Autors. Purer Slapstick oder Gross out, wie er z. B. auch in den “American Pie”-Movies praktiziert wird, ist nicht per se witzig. “Visual Comedy” ist eine Spielart der Komödie, die ich auch absolut großartig finde, doch sie kann nicht das Maß aller Dinge sein. Die Fragestellung des Videos heißt: “How to do visual comedy”, leider verrennt er sich dann in der Frage: “How to do comedy”.

3. Er bezieht diese verschiedenen Arten, Komödien zu machen, auf die Weise, wie US-amerikanische und britische Filmemacher an die Sache rangehen. Das hat schon ein gewisse Ironie: Während wir uns hier in Deutschland Gedanken machen, warum wir es nicht auf die Reihe bekommen, überhaupt irgendwelche sehenswerte Serien und Filme zu produzieren, jammert ein Ami darüber, dass es in Hollywood keine vernünftigen Komödien-Regisseure gibt. Wenn ich mir allerdings Serien wie “30 Rock” und “Arrested Development” (was er ja sogar als Positivbeispiel anführt) oder Filme wie “Tropic Thunder” und “Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt” ins Gedächtnis rufe, ist das schon Jammern auf sehr hohem Niveau – insbesondere, wenn man sich die komödiantische Bandbreite dieser Beispiele anschaut.

Abgesehen von diesen kleinen didaktischen Unzulänglichkeiten stimme ich ihm aber voll und ganz zu: Edgar Wrights Komödien sind wirklick verdammt witzig. Zhou hat also Recht damit, wenn er sagt, dass der gezielte Einsatz von Hintergrund-Aktionen, Kamerabewegungen, Soundeffekten und Musik zu einem ganz besonderen Komödien-Erlebnis führt. Aber ist das der Königsweg für Komödien? Ich denke nicht. Es ist einfach eine sehr gute Antwort auf die Frage, wie man eine verdammt witzige _visuelle_ Komödie machen kann und erntet meinen großen Respekt für die scharfe Beobachtung. Alles darüber hinaus geht mir allerdings zu weit.

Marvin Mügge

Marvin Mügge

Weltraumpräsident at Weltenschummler
Gonzo-Journalist. Hat als Einziger das Ende von Lost verstanden und eine hohe Trash-Toleranzgrenze. Serienaddict, Kinogänger, Medienkritiker, GIF-Sammler und gescheiterter Physiker. Gründer von Weltenschummler.
Marvin Mügge
- 2 Wochen ago
Marvin Mügge