Warum es keine guten TV-Serien aus Deutschland gibt

Foto: kenfagerdotcom (Flickr/CC BY-NC-SA 2.0)

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Das Dilemma mit den Serien

Warum gibt es keine guten TV-Serien aus Deutschland? Diese Frage beschäftigt mich schon sehr lange, und aus vielen Gesprächen mit Gleichgesinnten und jahrelanger Beobachtung der Szene weiß ich, dass ich damit nicht alleine dastehe. Es ist also an der Zeit, das Ganze mal näher zu betrachten.

Dieser Artikel ist der erste in einer ganzen Reihe von konzeptionellen Beiträgen, die ich zum Themenkomplex “Filme & TV-Serien” publizieren möchte, weil es ein Thema ist, das mir sehr am Herzen liegt. Einerseits bin ich ein leidenschaftlicher Zuschauer, andererseits habe ich ein Herzensprojekt, das ich sozusagen als Kulminationspunkt meiner Überlegungen vorstellen werde. Doch ein Schritt nach dem anderen.

Warum gibt es keine guten TV-Serien (und Filme) aus Deutschland? Ich nehme die Antworten mal vorweg:

1. Weil die Autoren nicht ernstgenommen werden.

2. Weil es von Senderseite ein Dogma gibt, man müsse möglichst “realistisch” und “nah am Volk” erzählen.

3. Weil sich keiner traut, mutige Formate zu produzieren und das nötige Geld dafür in die Hand zu nehmen.

4. Weil wir in Deutschland nicht die nötige Senderstruktur haben.

Ich werde das noch näher erklären, möchte aber zunächst eine Gegenfrage voranstellen: Warum gibt es so viele US-Serien (und einige wenige aus UK), die dermaßen viel Erfolg haben? Und das weltweit? Das Business mit hochwertigen TV-Serien hat sich mittlerweile zum Kerngeschäft von Sendern wie HBO, Showtime und AMC entwickelt. Was wird jenseits des Atlantiks anders gemacht als hier? Ich kenne so gut wie niemanden meiner Generation (und auch der jüngeren), der sich diese Frage nicht schon gestellt hat. Die enttäuschende Antwort: “Wir habens einfach nicht drauf.”

Mangel an künstlerischer Freiheit

Doch mit dieser Antwort machen wir es uns zu einfach. Es mangelt ganz sicher nicht an künstlerischer Qualität. Das Problem sind die verstaubten Strukturen, welche die Kunst zum Publikum bringen sollen. Es mangelt an künstlerischer, kreativer Freiheit. Ich behaupte, wir hätten auch die Schauspieler für wirklich gute Serien (und natürlich auch Filme). Doch die meisten müssen sich in drittklassigen Produktionen verdingen, um überhaupt von irgendetwas leben zu können. Bestes Beispiel ist Christoph Waltz. Bevor der zweifache Oscarpreisträger unter Tarantinos Fittiche genommen wurde, hat er unter anderem grausame Rollen wie die als Roy Black (“Du bist nicht allein – Die Roy Black Story”, 1996) annehmen müssen. Weniger prominent, aber umso erstaunlicher, ist der Fall des hierzulande nur durch billigste Klamauk-Sketche bekannte Volker Michalowski (“Zack! Comedy nach Maß”). Wer hätte gedacht, dass er eine Rolle in “Inglourious Basterds” ergattern würde? Ich jedenfalls nicht, und für mich war sein Auftritt in diesem Film ein echtes Aha!-Erlebnis, das mir unwiderlegbar zeigte: gutes Schauspiel braucht gute Autoren (und Regisseure). Noch mehr Beispiele, gefällig? Die grandiose Figur des gesichtslosen Mannes Jaqen H’ghar aus “Game of Thrones” wurde von Tom Wlaschiha dargestellt – auch bekannt aus deutschen Unterhaltungsperlen wie “Pura Vida Ibiza” oder “Cobra 11”. Von Sibel Kekillis GoT-Rolle als Shae will ich gar nicht erst anfangen. Das sind natürlich alles keine Hauptrollen, aber sie unterstreichen dennoch, was ich sagen will: gutes Schauspiel braucht gute Autoren.

Der Korrekturdrehwolf

Haben wir also keine gute Autoren? Auch das möchte ich bestreiten. Aber das, was von einem Drehbuch letzten Endes übrigbleibt, wenn es von den Produzenten zerpflückt wurde, hat einfach nichts mehr mit der ursprünglichen Geschichte zu tun. Ein “Tatort”-Drehbuchautor bekommt bis zu 30.000 Euro für sein Werk – allerdings muss er vorher unzählige Korrekturschleifen über sich ergehen lassen, sodass oft bis zu ein Jahr (oder länger) vergeht, bis tatsächlich Geld fließt. Als vor einigen Jahren die Gagen für Drehbuchautoren solcher Formate bekannt wurde, mokierten sich viele über diese mutmaßliche “Goldgrube”. Aber selbst wenn man die nachträglichen Zahlungen für evtl. Wiederholungen mit einbezieht, ist diese Formulierung eine absolute Unverschämtheit. Drehbuchautoren sind in aller Regel keine Angestellten, sondern Freiberufler. 30.000 Euro vor Steuern und allen anderen Kosten für ein Jahr Arbeit? Nicht gerade eine Goldgrube wie ich finde. Wenn man die Schlüsselposition eines Autors berücksichtigt – ohne Story kein Film – grenzt das Ganze an Respektlosigkeit. Respektlosigkeit vor der kreativen Leistung von Autoren.

Einmal “Heimat” und zurück

Doch lassen wir das Geld mal beiseite. Der Punkt ist, dass ich als (Drehbuch-)Autor in Deutschland dazu verdammt bin, Geschichten aus Deutschland zu schreiben. Realistische Geschichten, wohlgemerkt. Heraus kommen “Glanzstücke” der Fernsehlandschaft wie “In aller Freundschaft”, “Der Bulle von Tölz”, “Ritas Welt”, “Gute Zeiten, Schlechte Zeiten” oder noch Schlimmeres. Mal ehrlich, wer will den Mist gucken? Das Fernsehen produziert an mehreren Generationen vorbei, die eben nicht solch ein Dreck konsumieren wollen, sondern sich lieber die neuesten US-Serien übers Netz streamen oder komplette Staffeln auf DVD und Blu-ray kaufen. “Dexter”, “Breaking Bad”, “American Horror Story”, “The Wire”, “Sopranos”, “True Blood”, “The Walking Dead”, “Californication”, “Entourage”, “Homeland”, “Game of Thrones” – hoch geschätzte und beliebte Formate, die entweder auf schlechten Sendeplätzen versauern oder noch nicht einmal den Sprung ins Free-TV schaffen. Serien, die in den USA (trotz Pay-TV!) absoluter Mainstream sind und mit Preisen überhäuft werden, fristen bei uns ein Nischendasein. Das Publikum ist da, auch bei uns. Es wird nur nicht abgeholt.

Der Autor als Produzent

In den USA ist es Gang und Gäbe, dass die Schöpfer der Serie fest in den Produktionsprozess eingebunden sind, oft sogar als Executive Producer. Sie nehmen maßgeblich Einfluss auf das Endprodukt, an dessen Anfang sie stehen. “True Blood” trägt die Handschrift seines Schöpfers Alan Ball, Tom Kapinos sorgt dafür, dass Hank Moody in “Californication” stets so launisch bleibt, wie er ihn sich ausgedacht hat – zwei ausgewählte Beispiele von vielen. Und exemplarisch für den Erfolg zahlreicher US-Serien. Die Autoren werden ernstgenommen, ihnen wird vertraut, es gibt erzählerischen Freiraum. Dass Formate wie “American Horror Story” oder “Breaking Bad” in Deutschland produziert werden ist quasi undenkbar. Zu unrealistisch, zu weit weg vom deutschen Otto Normalverbraucher. Dann doch lieber “Marienhof” und “Die Camper”.

Das Dogma der realistischen Unterhaltung mit Heimatbezug ist aber vollkommen fehl am Platz: Die Jahrgänge, die in den 80ern und den nachfolgenden Jahrzehnten aufwuchsen, sind – was die Film- und Fernsehgewohnheiten angeht – durch und durch sozialisiert von Hollywood. Ich hab noch nie den Satz gehört: “Oh, was? Eine amerikanischer Film? Näää, das guck ich nicht.” Ungleich öfter allerdings gilt das für deutsche Produktionen. Wie man in einer globalisierten Welt darauf bestehen kann, mediale Heimatverbundheit zu demonstrieren, ist mir vollkommen schleierhaft. Lasst die Autoren doch einfach schreiben, womit sie sich wohl fühlen. Wenn die Story in Castrop-Rauxel spielt, gut. Aber wenn sie in New York stattfindet – und wo sie stattfindet, muss Entscheidung des Autors und unabhängig von seinem Geburtsort sein – auch gut. Im Zeitalter des Internets kann ich genügend Location-Recherche betreiben, ohne jemals vor Ort gewesen sein zu müssen. Ich persönlich jedenfalls habe ein genaueres Bild von New York City als von Castrop-Rauxel.

Von billigen Kopien und Trugschlüssen

Der Trugschluss, der zu diesem Dilemma führte, war die Annahme, dass man erfolgreiche US-Serien einfach adaptieren, deutlicher gesagt: kopieren und auf Deutschland übertragen kann. Als RTL in den frühen 90ern mit “Hilfe, meine Familie spinnt” baden ging, führten die Verantwortlichen das groteskerweise darauf zurück, dass das Format bei uns nicht funktioniere, zu amerikanisch sei – anstatt zu erkennen, dass niemand einen billigen 1:1-Abklatsch von “Eine schrecklich nette Familie” sehen will. Die Problemchen der TV-Charaktere waren nicht zu weit weg vom deutschen Publikum – es wollte sich einfach nicht verarschen lassen.

Die Sender trauen dem Zuschauer nichts zu. Sie unterschätzen ihn. Neue Sendungen müssen aus dem Stand funktionieren. Tun sie das nicht, werden sie ad hoc abgesetzt. Ich verstehe, dass auch ein Fernsehsender wirtschaftlich arbeiten muss. Das Problem aber, dass sich die TV-Industrie dabei selbst strickt: es wachsen mehrere Generationen von geschmackssicheren, gebildeten und womöglich sogar gutverdienenden Zuschauern heran, die absolut keine Markenbindung mehr zu den Sendern haben werden. Die großen Senderfamilien, allen voran RTL, zeichnen sich vor allem durch Ballermann-Unterhaltung aus, die an diesen Menschen vollkommen vorbei geht. Ich kenne viele, die gar keinen Fernseher mehr besitzen, sondern nur noch ausgewähltes Programm übers Internet konsumieren.

Katastrophales Marketing

Ich warte auf den Tag, an dem der Programmchef eines großen Senders den Mut hat, eine Serie wie “Dexter” auf die Prime Time zu legen. Und was noch wichtiger ist: zu erkennen, dass sofortige Rekord-Einschaltquote nicht immer alles sein darf und den Fehler für mangelndes Interesse der Zuschauer auch bei sich selbst zu suchen. Das Marketing für US-Serien im Free-TV kann man getrost als katastrophal bezeichnen. Wenn man Glück hat, wird man kurz und absolut unvermittelt darauf hingewiesen, dass dies die letzte neue Folge war, die man eben sah – noch bevor der kastrierte “Abspann” in den Werbeblock überleitet. Macht man sich auf die Suche nach der durchaus interessanten Info, wann man denn nun seine heißgeliebten Figuren wiedersehen darf, bleiben oft nur Gerüchte in Foren oder vage Ankündigungen wie “Weiter geht es im Herbst”. Mehr als nur ein Mal habe ich mich darüber geärgert, dass kommentarlos Wiederholungen gesendet werden oder – noch schlimmer – einfach eine andere Sendung den Platz einnimmt.

Exportzwerg Deutschland

Gemessen an der allgemeinen Wirtschaftskraft der Exportnation Deutschland ist der internationale Erfolg deutscher Film- und Fernsehproduktionen lächerlich. Selbst im Inland kamen deutsche Kinofilme im Jahr 2012 gerade mal auf einen Marktanteil von 18,1%. Im Bereich TV steht Deutschland bestenfalls für den erfolgreichen Weiterverkauf von Formaten wie “Schlag den Raab” oder “Old Ass Bastards” (das allerdings eigentlich aus Belgien stammt und nur von hier aus vermarktet wird). Liegt es an den finanziellen Mitteln? Nun, natürlich ist die Filmindustrie in Hollywood, was das angeht, deutlich besser aufgestellt. Aber Deutschland ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, immerhin noch die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Wir bauen Premium-Autos, Premium-High-Tech, Premium-Was-Weiß-Ich. Es kann mir doch keiner erzählen, dass wir nicht die monetären Mittel besäßen, um qualitativ hochwertige Film- und Fernsehunterhaltung herzustellen. Allein, es mangelt am Mut.

Serien als Autorenkino

Bei der Produktion von Serien kommt erschwerend hinzu, dass wir nicht die Senderstruktur haben, wie wir sie in den USA vorfinden. HBO, Showtime, AMC – all diese Sender haben das Serienbusiness längst zu ihrem Kerngeschäft erklärt und die Konsequenzen daraus gezogen. Rob Sorcher, Programmchef von AMC (Mad Men, Breaking Bad, The Walking Dead…) erklärte einst in einem Interview: “We want to be a creator-driven environment.” Die Autoren stehen im Mittelpunkt des Schaffens- und Produktionsprozesses, denn sie sind es, die das Produkt kreieren. HBO hat bereits in den 90ern das Geschäftsmodell verworfen, das Sky hierzulande immernoch verfolgt: das vermeintliche Alleinstellungsmerkmal, Kinofilme einen Tick früher zu zeigen war und ist eine Totgeburt. Videorekorder, DVD-Player, Videotheken und heute Streamingdienste ließen und lassen den Zuschauer angesichts dieses Angebots kalt, zumal ich mit diesen Technologien selbst bestimmen kann, wann mein Programm läuft. HBO-Chef Jeffrey Bewkes zog die Konsequenzen und ließ exklusive Inhalte produzieren, die ordentlich Buzz erzeugten. Es folgten “Sex and the City”, die “Sopranos” – der Rest ist Geschichte.

Was bleibt also? Ich denke, die Autoren müssen ihre Idee, ihre Vision eben anders zum Publikum bringen. Vorbei an den Dogmen, den verstaubten Strukturen, den Sendern. Wie genau ich mir das denke – dazu später mehr an dieser Stelle.

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Anmerkung: Dieser Beitrag ist Teil des folgenden Gedankengangs:

Ein Plädoyer für das Drehbuch
Manifest eines Verrückten

Ich habe einen Plan, wie wir die Dinge verändern können. Hier erfahrt ihr mehr:

Introducing: BAD BANKS

Bad Banks: Episode 01 als PDF herunterladen

Download (PDF, 47KB)

Alle Beiträge zu BAD BANKS.

Marvin Mügge

Marvin Mügge

Weltraumpräsident at Weltenschummler
Gonzo-Journalist. Hat als Einziger das Ende von Lost verstanden und eine hohe Trash-Toleranzgrenze. Serienaddict, Kinogänger, Medienkritiker, GIF-Sammler und gescheiterter Physiker. Gründer von Weltenschummler.
Marvin Mügge

@mueggemarvin

Freelance Journalist // Blog https://t.co/DUpcz185Ji // An den Social-Media-Tasten @BILDamSONNTAG // Movie Guy @turnon
Verdammt, ist dieser Film gut. Meine Kritik zu #BladeRunner2049 (garantiert ohne Spoiler). https://t.co/LzkXSLS0v6 @turnon @bladerunner - 2 Monaten ago
Marvin Mügge
  • gehirnstuermer

    Hinzu kommt ja, dass alle paar Jahre mal durchaus ne deutsche Serie etwas taugt, sich aber nicht durchsetzen kann bzw. regelrecht sabotiert wird. KDD – Kriminaldauerdienst war so eine Serie, die ich wirklich toll fand, die aber vom ZDF unter der Woche mitten in der Nacht weggesendet wurde und daher nie Quote machen konnte.

    Auf der anderen Seite: Wenn ich mir den Erfolg des Trash TVs (Casting Shows, Realitiy-Soaps, …) anschaue, haben wir vielleicht hierzulande wirklich nicht die passende Zielgruppe.

    • Ich kenn KDD nicht, aber die guten Produktionen sind halt leider die Ausnahme von der Regel.

      Der Erfolg des Trash-TVs zeigt nur, dass wir viele Zuschauer haben, die auf sowas stehen, was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass es keine Zielgruppe gibt, die auf andere Formen der Unterhaltung abfährt. Nicht umsonst landen die ganzen großartigen Serien immer wieder in DVD- und Downloadcharts.

    • HansWurst

      Trash Shows, amüsieren auf Kosten anderer.

  • Ich würde gerne noch beim Marketing den Unterpunkt der Sendezeiten setzen. Gute Serien werden nicht genug gefördert oder bekommen unmögliche Sendezeiten. Erst nach einem kleinen Aufschrei im Netz, der es dann durch Umwege ins Printfeuilleton findet, können Serien wie “Der Tatortreiniger” die Aufmerksamkeit erreichen, die sie verdienen. Aber dann wiederum diese Miniserien oder das On-Off “Lerchenberg” als “erfolgreiche Beispiele” zu nutzen grenzt halt auch schon an die Lächerlichkeit.
    Und bezüglich der Importe hast du damals die RTL LOST-Kopie im Studio vergessen. :D

    • Die LOST-Kopie ist zum Glück total an mir vorbeigegangen ;P.

      Mit den Sendezeiten geb ich dir absolut Recht. Groteskerweise landen gerade die hochwertigen Serien im nächtlichen Nirvana oder auf Nischenkanälen.

      • BodenseeApple

        Und so schaffen sich die TV-Sender auch eine Berechtigung zu behaupten: “Das schaut sich ja keiner an, die Zahlen lügen nicht…”

    • BodenseeApple

      Ich will die RTL-Produktion jetzt nich schön reden, aber Wikipedia sagt folgendes: “…Die RTL-Produktion begann ihre Dreharbeiten schon im November 2003, die Erstausstrahlung der US-Serie erfolgte hingegen am 22. September 2004. Die Produktionszeiträume überschnitten sich also, weshalb nicht hinreichend geklärt werden kann, welche Idee eine Kopie ist…”
      (http://de.wikipedia.org/wiki/Verschollen)

    • HansWurst

      Ist genauso das selbe wie diese blöden Rankings die in jeder Show seit Jahren benutzt werden und immer und immerwieder noch machen Sie es. “Die top 10 besten Dönersaucen der Welt, wir beginnen mit Platz Zehn”, bla bla bla und jeder Sender macht das als wollte man mit Absicht die verdummung der Deutschen vorantreiben. Ich kucke seit 2 Jahren sogut wie kein Fernsehen mehr, nur Live Sport wie Fußball wenn dann.

  • Xander81

    “HBO hat bereits in den 90ern das Geschäftsmodell verworfen, das Sky hierzulande immernoch verfolgt.[…] HBO-Chef Jeffrey Bewkes zog die Konsequenzen und ließ exklusive Inhalte produzieren, die ordentlich Buzz erzeugten”

    Das muss nur mal jemand Sky erklären.
    Das RTL oder Pro7 keine Big Budget Serienrisiken eingehen wollen, da sie auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, sollte klar sein. Einzig Pay-TV kann durch mehr oder weniger kalkulierbare Einnahmen so ein Risiko eingehen bzw. als Vorbild dienen. Was ja, bei Erfolg, noch mehr Abonennten anziehen kann. Immerhin, ein kleiner Schritt ist mit “Add a
    friend” getan. Ein ganz kleiner Schritt.

    • Das stimmt, natürlich ist das Pay-TV prädestiniert für diese Aufgabe. Aber es gibt auch Gegenbeispiele: LOST z. B. geht auf das Konto von ABC – einem frei empfangbaren Network in den USA.

      Die RTL Group ist der größte Unterhaltungskonzern Europas. ProSiebenSat.1 hat im Jahr 2012 knappe 3 Milliarden Euro Umsatz gemacht und einen Gewinn von mehr als 400 Millionen erwirtschaftet. Selbstverständlich ist jede Eigenproduktion, insbesondere solche mit großem Budget, ein Risiko. Jedoch ist es eben diese mangelnde Risikobereitschaft, die für immer trivialere Fernsehunterhaltung sorgt.

    • HansWurst

      Aber man kann doch auch einfache Serien drehen wo das Zentrum die Dialoge sind und nicht das drum herum.
      Wenn sich einpaar Serien etabliert haben kann man dann einige finanzielle Risiken eingehen und für den Weltmarkt drehen, falls der “tiefe Staat” in Deutschland das zulässt ;)

  • Sehr schöner Artikel, der meiner Ansicht nach den Kern des Problems trifft: Das Publikum ist da, Kreativität, Geld -man bedenke nur mit wie viel Geld die Deutsche Filmförderung Hollywoodproduktionen unterstützt- und Professionalität ist vorhanden, nur scheinen die organisatorischen Strukturen und Entscheidungsträger von Film und Fernsehen, besonders bei den Privaten, mit TuttiFrutti, Dirk Bach und Tom Gerhardt sozialisiert worden zu sein und davon nicht abrücken zu wollen.

    Da verwundert es nicht, wenn es niveau-arme “Nester” voller Vetternwirtschaft um Bully Herbig oder den Rundfunkstandort Köln gibt, an denen nichts wächst außer schlechten Kinofilmen um das Thema Mauer und Vertreibung und geskriptetem Reality-TV, das nur mit Jersey Shore oder My Sweet 16 verglichen werden kann.

    Was die öffentlich-rechtlichen Sender angeht, die das Geld hätten, braucht man sich nur mal die verstaubten Rundfunkräte angucken, in denen Kirchenvertreter und 70-jährige CDU-Politiker Heimatverbundenheit auf den Plan setzen.
    Einschneidend war auch die Zeit nach der Wiedervereinigung. Die vorhandenen Strukturen im DFF und der DEFA, die wunderbare Filme und professionelles Fernsehen produziert haben, wurden ein Selbstbedienungsladen für die ARD und die Treuhand, in dem ausgeschlachtet wurde, was nicht komplett assimiliert wurde.

    Es wäre theoretisch kein Problem eine öffentlich-rechtliche Infrastruktur wie Netflix aufzubauen und dort gute in Deutschland produzierte Filme und Serien spielen zu lassen.

    Stattdessen streiten sich Private und Öffentlich-Rechtliche um die Dauer der Abrufbarkeit in den Mediatheken und produzieren kräftig billigen Schund, der wenig Risiko zu haben scheint.

    Das liegt wohl auch daran, dass der “Markt” des millionenfachen Streamings von US-Serien und Filmen in Deutschland schlicht nicht wahrgenommen wird. Die vorhandene Nachfrage, die die Menschen so fast nur illegal befriedigen können, spielt nur diffus als Raubmordpiraterie eine Rolle, die nun durch idiotischen Spin der GVU für Einkommenseinbußen verantwortlich betrachtet wird.
    Die Chancen des Internets werden nur schleichend und auf Druck wahrgenommen und stehen schwachsinniger Weise sicher nicht im Fokus.

    Ich hoffe, dass sich das irgendwann bessert. Ich kann mir allerdings nur vorstellen, dass jemand so etwas wie Netflix zu annehmbaren Preisen hier aufbaut, sich mit US-Serien eine goldene Nase verdient und dann anfängt eigene Serien zu produzieren, während die großen Rundfunkhäuser eins nach dem anderen schließen.

    • Hi Emanon,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Es freut mich wirklich zu sehen, dass ich mit meinen Überlegungen nicht allein dastehe. Ich kann dir nur in jedem Punkt Recht geben!

    • HansWurst

      Es mangelt in erster Hinsicht am Skript. Zeig mir eine deutsche Produktion mit Textpassagen wie zB bei der Serie Dr.House. Ihr stellt euch das viel zu einfach vor. Der Herr am Anfang erklärt das Problem. Warum sollte ein grandioser Texteschreiber seine Ideen und seine Passagen für mikrige 30.000€ im Jahr verkaufen ??
      Es ist absolut Komplex so eine Serie ohne Fehler am Leben zu halten.
      Ausserdem fehlt es absolut an großen Hallen mit Bühnen und Fakehäusern und Fakestädten und das Budget in kurzer Zeit ein großes Set hinzustellen, ich meine richtig groß wie ein Fußballfeld, wär ist bereit so etwas zu finanzieren wenn man billiger an US Serien herankommt ?
      Es fehlt an guten Schauspielern die ernste, dramatologische, emotionale Szenen spielen können und dabei authentisch wirken, und wenn dann werden die nicht unter 30.000€ pro Folge verlangen und das nur für den Hauptdarsteller falls ihm die Summe nicht zu klein ist.
      Wie ihr sieht ist das alles nicht einfach und braucht Zeit aber die Möglichkeiten hätte Deutschland allemale aber leider entscheidet mann sich immer wie auch oben angegeben für AmiKopien anstatt eigene Themen ernsthaft rüberzubrigen.
      Ich als keinPlan Skripteschreiber könnte auf Anhieb etwas grobes Aufschreiben was ankommen würde.
      zB eine Geschichte rundum Kaiser Wilhelm wobei der Kaiser die Nebenrolle spielt und eine Person in seinem Umfeld der unten anfängt und später der zweit mächtigste Mann im deutschen Reich wird, mit viel Drama, Liebe, Emotionen, Intrigen im Herrscherhaus, Tabus, Kriegsszenen, Spannung und und und. Sogar ich als Leihe hätte noch etliche solcher Ideen aber wer soll das denn mal ehrlich Spielen.
      Die Schauspieler müssen extrem viel selbstbewusstsein haben und müssen absolut authentisch wirken, quasi für Monate so leben, sich echte Bärte wachsen lassen und Monate lang tragen etc. Die Darsteller müssen passen oder die Serie floppt und da müsst ihr mir recht geben, die Auswahl ein qualitativ hochwertigen Schauspielern ist nicht hoch. Aber das Beste bei solchen Serien, man nimmt neue unverbrauchte, talentiert Gesichter und formt sie von Serie zu Serie zu Superstars.
      Zum Schluss solltet ihr euch dann fragen was wohl eine Folge kosten würde..
      Ich denke ein bis 200.000€ und da liegt das Problem, aller Anfang ist schwer.

  • Schöne Gedanken, die ich zum Thema Film auch schon öfter gemacht habe.
    Dabei lande ich aber im Gegensatz zu dir doch immer wieder bei den Finanzen als Teilaspekt. Alles, was nicht aus Hollywood kommt, hat es einfach schwer in der Welt. Serien wie Breaking Bad und Dexter sind nur möglich, weil sie in Hollywood gemacht werden und weltweit (!) exportiert werden können.

    Die Amis haben selbst einfach keinen Bock auf ausländische Produktionen. Wie soll sich dann eine deutsche Produktion in den wichtigsten Film- und Fernsehmarkt verkauft werden?

    Es könnte aber klappen, wenn wir uns eine Nische suchen würden. Die Schweden sind ja für ihre Krimis berühmt und geliebt. Weltweit. Warum haben wir nicht auch so ein Spezialgebiet?

    Anyways, das waren jetzt eher lose Gedanken von mir. Was ich sagen wollte: Schöner Text :)

    • Hi Christian,

      du sprichst da tatsächlich einen sehr wichtigen Punkt an. Ich denke aber, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, wie man sich dem nähern könnte:

      1. Willst du international verkaufen, musst du international produzieren. Klar wollen die Amis keine deutschen Serien/Filme sehen – noch nicht mal wir wollen deutsche Produktionen sehen. Das ist ja das Problem. Frei nach dem Motto “Nicht kleckern, sondern klotzen” müsste man sich natürlich dementsprechend aufstellen, um in den US-Markt einzudringen. Mögliche Optionen wären z. B. ein, zwei bekannte Leute zu verpflichten (Schauspieler, Regisseure etc.), die Handlung eben nicht zwanghaft auf das deutsche Publikum zu münzen und von vornherein auf Englisch zu produzieren. Ob die Idee zu der Serie aus Deutschland, Italien, Russland oder Kanada kommt ist dabei imho ziemlich egal.

      2. Plan B: es wäre ja schon ein Erfolg, wenn Hollywood zumindest eine Idee aus Deutschland adaptieren würde – wie sie es ja auch z. B. mit den schwedischen “Stieg Larsson”-Verfilmungen getan haben. Ich bin nicht unbedingt ein Freund davon, aber es wäre immerhin ein Achtungserfolg. Ein von dir angesprochenes Spezalgebiet, das man sich vornehmen könnte, ist durchaus keine schlechte Idee und wäre wenigstens ein Anfang.

      Ich bevorzuge wie gesagt die erste Variante – denn genau da liegt der Hund begraben: Hollywood produziert für den weltweiten Markt, wir produzieren für den heimischen Markt. Wir ernten, was wir säen.

      • HansWurst

        Du hast es nicht verstanden und liegst absolut falsch. Du würdest einen dermaßigen Flop erleben das kann ich dir garantieren. Das wichtigste sind nicht irgendwelche Superstars, wer will sich in seinem täglichen Leben mit einem Superstar identifizieren, es sei denn du willst eine Komödie Serie und das würde ich Deutschland nicht empfehlen weil es das komplizierteste von allem ist.
        Die Dialoge, die Dramatologie, die Handlung und die authentizität. Was macht euch deutschen Weltweit bekannt? Pünklichkeit, Disziplin, Gründlichkeit, Qualität, Zuverlässigkeit.
        Also wie ich schon oben beschrieben habe. Deutschland sollte in die Niesche, geschichtliche Romane als Serie verfilmt einsteigen. Ihr würdet der Welt mitteilen das es ein Leben vor Hitler gab und wie die Deutschen eigentlich sind und immer waren mit ihrer Hochkultur , Denkern und Dichtern. Das sollte man sogar staatlichen fördern um das Image der Deutschen wieder aufzupolieren.
        Ich wäre bereit, kontaktiert mich :)))
        Mein Gott, würde mir jemand die Möglichkeiten geben, würde ich selber die beste deutsche Serie aller Zeiten drehen. “Geschichtliche Romane” mit viel Liebe und Poesi, das ist es ! Es gäbe hunderte Möglichkeiten.

        • Dirk Lorenzen

          Lieber HansWurst,

          da Du die deutschen Dichter und Denker ausdrücklich erwähnst, empfehle ich Dir, vorab den Konrad Duden näher zu studieren, bevor Du “die beste deutsche Serie aller Zeiten” erfindest.

    • HansWurst

      Hast du Recht. Schweden für Krimi, die Türkei für Drama, Argentinien für Telenovelas, USA für Primetime und mehr. Sogar die Österreicher sind besser bei Serien OMG, Germany du must etwas tuen.

  • Ütz Stocklöw

    Einige Anmerkungen gehen mir beim Lesen dieses Textes im Kopf herum:
    Kürzlich habe ich gelesen, dass über 80% aller in Amerika produzierten Serien Flops sind. Was wir in Europa wahrnehmen, ist natürlich immer nur die Crème de la Crème amerikanischer Fernsehunterhaltung. Auch drüben wird viel Müll produziert. Aber eben auch die wundervollen Meisterwerke, die wir so sehr lieben. Allerdings sind “lieben wir alle” und “schönste, größte, beste” eben auch relative Begriffe, die schwarzweiß malen, wo grau herrscht. Denn letztendlich bleibt die bange Frage: wenn die alle so objektiv besser sind als deutscher Fernseheinheitsbrei, wo kommen denn die Quoten her? Sicher, da wird viel geschoben, dennoch stützen sich Fernehverantwortliche auf Zahlen, und die gründen wiederum auf unserem Geschmack, auf dem Geschmack der Zuschauer. Wir, die wir gute Serien lieben, sind wohl in diesem unserem Land immer noch in der Minderheit. Gegen den Musikantenstadl kommen wir zahlenmäßig nicht an.
    Was wir brauchen, ist eine grundsätzlich andere Wahrnehmung deutschen Fernsehens in der Bevölkerung. Soll sich das Fernsehen verbessern, müssen sich auch die Zuschauer verbessern.
    Und das führt unweigerlich zur nächsten Feststellung und dem damit verbundenen Problem: Demografische Veränderungen brauchen Zeit. Es dauert Generationen. Bereits als Kinder muss ein Publikum an gutes Fernsehen gewöhnt werde, dann kann man langsam, über Jahre und Jahrzehnte besser werden (nicht, dass die Amis nicht noch weit mehr und weit dümmeres Prollfernsehen hätten!). In eine Serie wie “Game of Thrones”kann HBO pro Jahr schon mal 60 Millionen investieren, und das ist aus einer Menge Gründen so:
    1. Die Macher dieser Serien und das Publikum sind über Jahre hinweg an ein Format dieser Größenordnung herangewachsen. Vor GoT gab es Breaking Bad, davor Dexter, davor Sopranos, davor Schrecklich nette Familie, davor Cheers, Das Model und der Schnüffler, Baywatch, Ein Colt für alle Fälle, Magnum, M.A.S.H., usw usw. Alles Erfolgsprogramme, die seit Jahrzehnten das große Publikum suchen und finden. Es gab kein Jahr in der amerikanischen Fernsehgeschichte, in dem nicht denkwürdige TV-Formate liefen. Wir in Deutschland hatten Alfred Tetzlaff und Liebling Kreuzberg, und nach Auf Achse war Schluß und auch daran erinnert sich keiner. Das Deutsche Fernsehpublikum ist gar nicht konditioniert auf das regelmäßige Sehen guter Qualitätsserien. Die deutschen Autoren sind nicht gewohnt, gutes Fernsehen zu schreiben. Weder Angebot noch Nachfrage haben sich entwickelt.
    2. Es rechnet sich trotzdem. Prinzip “gewachsenes System”: So wie Autoren gelernt haben, sich in Schreibgruppen und Kreativmeetings zu Gestaltern der Popkultur zu formen, und das Publikum, die Ergebnisse mit Aufmerksamkeit zu honorieren, so hat das ausländische Publikum die Formate entdeckt. Vermutlich würden sich einige Serien nicht rentieren, wenn sie nicht die Perspektive weltweiten TV-und DVD – Verkaufs hätten. Wir stehen alle hinter dem System “amerikanische Serie”.
    3. Aus diesem Grund wird auch mehr Geld als vielleicht nötig in die Serienproduktion gesteckt. Denn die einfache Frage lautet: Warum soll so etwas wie “Breaking Bad” eigentlich so unmenschlich teuer sein? Sicher, es gibt immer wieder einige Money-Shots, doch im Kern geht es um eine Handvoll Figuren, in ganz normalen Häusern, Büros oder winzigen Kellerlöchern. Wenn man es genau nimmt, eigentlich nichts, was sich nicht auch in fast gleicher Dimension in Deutschland drehen könnte. Wenn man denn die Drehbücher hätte. Und den Mut, sie umzusetzen.
    4. der wichtigste Punkt: Die Amerikaner WOLLEN es auch. Es geht um die Frage, wie es sein kann, dass jede neue Serie immer wieder interessant und sehenswert ist. Gab es eine Idee schon, muss die nächste Serie etwas neues bringen, etwas, das noch nie dagewesen ist. Ein Polizist aus der Gerichtsmedizin, der in seiner Freizeit Serienmörder ist? Revolutionär! Ein Lehrer der vom Weichei zum Methmeister mustiert? Ungeheuerlich!
    Fragt man deutsche Produzenten oder Verantwortliche nach neuartigen Formaten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat, schütteln alle zunächst einmal den Kopf, bevor sie ihn wieder in den Sand stecken. Läuft ein Format zufällig erfolgreich, muss es genauso wiederholt werden, bis die Welle vollends versackt. Nach dem Erfolg von “Berlin-Tag und Nacht” wurde nicht gefragt: OK, soundsoviel Millionen sehen das, wie kriegen wir die anderen Millionen, die das offenbar nicht mögen? Oder: Bei dem Format sparen wir viel Geld, denn es wird billig produziert- machen wir mit der gesparten Kohle was richtig großes? Was passiert, wenn das keiner mehr sehen will- haben wir etwas neues in der Tasche, um die Erfolgswelle weiterzuführen, das anders ist, aber ebenso erfolgreich? (Nicht mißverstehen – BTuN ist Abfall, aber es hat dafür gesorgt, dass regelmäßig Budgets eingekürzt werden, da die Serie als Billigformat so erfolgreich ist!). Deutsche Produzenten wollen sich nur auf Formate einlassen, die bereits erprobt sind. Sie verkennen, dass sie mit dieser Haltung immer nur dem Trend hinterherlaufen, statt ihn zu bestimmen. Wo die Amerikaner wissen, dass nur derjenige, der sich auf Neuland traut, Erfolg haben kann, möchten die Deutschen die Sicherheit erprobter Erfolge so lange wie möglich auskochen, bis die Vitamine vollständig weg sind.

    Und letztendlich muss man sich in Deutschland auch an die Macher wenden. Wo seid ihr? Wo gibt es die Pioniere, die Hasardeure, die Wahnsinnigen, die Mutigen? Wo sind die kleinen Überraschungen im “Tatort”, die das Ansehen erst interessant machen? Wo sind die subtilen filmischen Experimente und raffinierten Interpretationen in Donna Leon- Verfilmungen? Wo ist das Spurenelement “Schweigen der Lämmer” beim “Polizeiruf”? Wo ist “Monk” bei Bella Block? Klingt Abwegig?
    Dann denkt mal nach: Offenbar hat sich das deutsche Fernsehen ein totalitäres System geschaffen, in dem die Filmemacher systemkonforme Arbeitsdrohnen sind, die sich der herrschenden Obrigkeit zu beugen haben. Könnte man ja an die DDR denken. Und was haben sie damals aufbegehrt, die Defa-Filmemacher. Nicht alle natürlich. Der letzten Montag verstorbene Günter Reisch zum Beispiel war einer der Regisseure, die immer wieder satirische Seitenhiebe auf das System bereithielten, die immer wieder subtilen Protest einarbeiteten. Ein Film wie z.B. “Anton der Zauberer”, der die Planwirtschaft aufs Korn nahm, müsste längst im Klassikerkanon deutscher Filmbibliotheken stehen – neben, sagen wir mal, Frank Beyers “Spur der Steine”.
    Wir müssen aufstehen gegen ein System, das uns einschläfert. Die Filmemacher müssen sich erheben und unter der Vorgabe, systemkonformes Massenfernsehen zu machen, versteckte Seitenhiebe einbauen, Dinge, die interessante heiße Eisen sind, sie müssen das System zum Bröckeln bringen. Ein 08/15 – Tatort kann zum Kunstwerk werden. Oder zum Meisterthriller. Wenn nur fähige Leute dahinter stehen. Der Normalfall jedoch ist, dass jeder nicht mehr versucht, als sich durchzuwursteln. Wie auch, die meisten wüssten sowieso nicht, wie so was geht. Woher sollten sie es lernen?
    Es müsste jede Woche eine Folge “Tatortreiniger” laufen oder etwas von gleichem Rang. Sorgfältige Drehbücher, auf den Punkt pointiert. Tut keiner. Will keiner. Sieht keiner.
    Jetzt wird es zu pamphletig. Neben allem Stammtischgeblubbere möchte ich nur darauf hinweisen, dass es bereits im bestehenden System Möglichkeiten gibt. Möglichkeiten gibt es immer. Sie werden jedoch nicht genutzt.

    Leider, die Filmemacher mit interessanten Ideen sind oft Geschichtenerzähler, die zu wenig an das Publikum denken, und diejenigen, die die großen Erfolge feiern, erzählen hohlen Quatsch. Arbeiten sich einige intelligente Macher an der “Berliner Schule” ab, will die gelangweilten Filme, die dabei herauskommen, keiner sehen, und, bitte, wer 50.000 Zuschauer als Erfolg verbucht, macht sich was vor. Auf der anderen Seite stehen debile Prollkomödien von Schweigerschweighöferherbig, die Millionengewinne einfahren. Auch hier: Das Publikum gibt ihnen Recht.

    Fast müsste man denken, Deutschland sei nun mal filmkultureller Ballerman. Und daß der, dems nicht passt, vielleicht besser auswandert.

  • sunshine

    Wirklich guter Artikel *Applaus*. Ich vertrete deine Meinung und hoffe das ich es einmal erleben darf, dass ich sagen kann: “Ich finde diese deutsche Serie gut”.
    Das kann ich bis jetzt leider nicht behaupten, wenn ich an “Familien im Brennpunkt”, “Köln 50667” und Co. denke. Ich bin 18 Jahre alt und kann mit unserem deutschen Fernsehen nichts anfangen. Ich möchte keine Serien sehen, die mich glauben lassen das meine Mitmenschen einen IQ von 0 haben. Wie präsentieren wir uns denn nach außen hin? Kein Wunder das wir es nicht in andere Länder schaffen.
    Bei mir ist es genauso wie du es beschreibst, ich finde die Amerikanischen Serien einfach interessanter und das vor allem weil es eben NICHT aus unserem Alltag ist. In diesen Serien kann man in eine andere Welt hineintauchen von kaltblütigen Mördern, übernatürlichen Wesen oder depressiven Hausfrauen. Das möchte ich bei einer deutschen Produktion einmal erleben.
    Ich bete das jemand diesen Durchbruch einmal schafft.
    Liebe Grüße Sunshine

  • Der gute Onkel

    Ein guter Artikel!

    Ich denke wenn jemals eine gute, deutsche Produktionins TV-Programm käme, würde ich dies erst (wenn überhaupt) bei der Wiederholung feststellen. Ich versuche deutsche Produktionen komplett zu ignorieren. Wenn meine Frau nicht wäre, die aus irgendwelchen Gründen gern Hartz-4-TV guckt, würde mir das sicher auch gelingen.

    Ich habe gar kein Problem mit Heimatverbundenheit. Dies haben die US-Produktionen auch nicht, die ja sehr gern ihre Heimat in teils sehr luftige Höhen loben. Das sollte allerdings kein Dogma sein. Denn dadurch wird ja auch die künstlerische Freiheit eingeschränkt.

    Ich könnte jetzt noch weiter schreiben. Allerdings kommt gleich der Bus…

  • HansWurst

    Hallo,

    ich finde du hast vollkommen Recht. Die Meisten die ich kenne probieren mittlerweile nicht mal eine deutsche Produktion anzuschauen weil nur Mist gedreht wird wie Schneewittchen und die 7 Zwerge oder die Wanderhure oder was weiß ich was, alles Schrott und Müll und wenn man Jahrelang so enttäuscht wird dann hackt man das ganze einfach ab und gibt deutschen Produktionen nicht mal eine Chance, außnahme “Alarm für Cobra 11” wird auch international vermarktet zB in der Türkei.
    Apropos Türkei.
    Ich weiß nicht ob Sie es wissen aber die Türkei ist binnen 10 Jahren von einem Zwerg zu einem der größten Serien exportöre der Welt aufgestiegen. Fast die ganze Welt schaut türkische Serien, in den Balkanländern, Russland, Ukraine oder arabischen Ländern laufen Tag und Nacht türkische Serien und werden Nachts nochmals wiederholt. China bis Taiwan bis hin zu Indonesien, Malaysia, Pakistan, Chile , Argentinien , Peru also ganz Südamerika und seit neustem auch Brasilien sogar Polen, Tchechien, Ungarn, Slowenien, Italien, Spanien eigentlich fast alle Länder außer Frankreich, England, Deutschland, USA und die englisch ähnlichen Länder, werden türkische Serien ausgestraht. Türkische Schauspieler werden wie Hollywood Stars empfangen und das ganze begann wie ?
    Darüber gabs mal ne Reportage. Die Verantwortlichen erzählten dass sie am Anfang drauf bezahlten oder pro Folge gerade einmal 1000$ verlangten, geht die Summe pro Folge nun auf bis zu 300.000$ pro Folge und es sind immer minimum 90 Folgen und wenn es weiterhin beliebt ist wird es ohne Probleme verlängert auf 150.
    Die Türkei setzt dabei gezielt auf Drama, wobei wir eigentlich immer so etwas anschauen also eine direkte Strategie war es bestimmt nicht, es zeigt eigentlich nur unsere Kultur, Tradition und vermischung der Moderne in dramatologischen Handlungen.
    Eine Folge kann Brutto über 2 Stunden gehen und es gibt kein Rahmen wo verpfichtet ist wie lange es dauert. Jede Folge ist unterschiedlich lang, von eineinhalb Std. bis 2 Std. ohne Werbung wohlgemerkt.
    Ich kann euch empfehlen auch darüber zu informieren. Eine Deutsche die in so einer Serie mitgespielt hat ist Weltberühmt geworden(eben in den aufgezählten Nationen), sie spielte die geliebte des Sultan Süleyman der Prächtigen im Harem im Osmanischen Reich und beruht auf Tatsachen(diese Personen hats echt gegeben). Ihr Name ist “Meryem Uzerli”, googlet sie mal, sie ist halbdeutsche aber mehr deutsch als türkisch auch vom erscheinungsbild.
    Durch diese Serie hat sie eben vor wenigen Wochen einen Vertrag über 2 Millionen Dollar unterschrieben. Sie wird bei einer Qatar/Türkische Co. Produktion mitspielen.
    Vom Tellerwäscher zum Millionär. Im Net ist ein regelrechter Türkei Hype ausgebrochen und die was soll Mann sagen, die Menschen lieben türkisches Drama, sie lieben unsere Kultur, wie wir leben wie wir sind.
    Jetzt will ich zum Punkt kommen. Deutschland ist so sehr von den Amis beeinflusst worden, dass sie ihre eigene Identität und eigene Kultur verloren haben und das ist auch der Grund warum eben genau diese Länder keine türkischen Serien ausstrahlen. Das hat politische Gründe.
    Ihr merkt ich könnte hier nen Roman schreiben, einfach Youtube türkische Serien suchen und mit englischen Untertiteln anschauen und euch selbst nen Bild machen wie Mann Serien produzieren kann mit viel oder mit sehr wenig Etat aber mit sehr viel Menschlichkeit.
    In diesem Sinne, wünsche ich allen ein fröhliches Schauen,

    in Liebe

    HansWurst der Türke :)

  • Jun

    Ich bin ein 14 jähriger Schüler, der gerne eine richtige professionelle Serie drehen will und ich gebe dir Recht.