Die Sache mit den Bloggern und dem Journalismus. Oder: Bin ich eigentlich Journalist?

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Image Credit: Sue Clark (Flickr/CC BY 2.0)

Die Frage, ob Blogger Journalisten sind, beschäftigt die Medienwelt nicht erst seit heute. Dabei ist die Antwort eigentlich ganz einfach: Leisten Blogger journalistische Arbeit? Natürlich. Werden sie wie Journalisten behandelt? In der Regel nicht. Woher kommt diese Diskrepanz? Der Versuch einer Analyse.

Online-Journalismus in der Beta-Phase

Als 2005 erstmals ein Blogger Zugang zu einer Pressekonferenz des Weißen Hauses erhielt, war das damals eine kleine Revolution. Das Phänomen “Weblog” war noch relativ neu, zumindest für – tja, sagen wir, wie es ist – Schlipsträger. Bloggen stellte im Vergleich zu den bis dato bekannten Publikationsformen eine ungewohnte Guerilla-Taktik dar und ist auch heute noch von einer seltsamen Aura des impliziten Anarchismus umgeben. Da erdreisten sich doch tatsächlich Menschen, über Dinge zu schreiben, ohne dass ihnen jemand einen Auftrag dazu gegeben hätte. Sakrileg!

The Times They Are a-Changin’?

Und heute? Nun, einiges hat sich geändert. Zumindest die Marketingabteilungen der Unternehmen haben längst entdeckt, dass dieses mysteriöse und begehrte Ding namens “Buzz“, über das alle reden, vor allem dann entsteht, wenn die sogenannte Blogosphäre über etwas redet. Dank Facebook, Twitter und Co haben Blogs heute Reichweiten, von denen so manch sterbende Tageszeitung nur träumen kann. Daher ist es zum Beispiel für Filmblogger wie mich heutzutage meistens kein Problem mehr, Einladungen zu Pressevorführungen zu bekommen. Doch wie steht es mit Behörden, Regierungen, Verbänden und all denen, die von Natur aus eher restriktiv mit ihrer Außenkommunikation umgehen? Moeeep, Fehlanzeige. Zumindest bis vor kurzem.

Der Fall Beckedahl

Als Markus Beckedahl, dem Gründer von netzpolitik.org, Anfang dieses Jahres eine Jahresakkreditierung beim Deutschen Bundestag mit der Begründung verwehrt wurde, “Herr Beckedahl wäre Blogger und kein Journalist“, war der Aufschrei in der Netzgemeinde groß. Zu Recht. Denn ausgerechnet bei netzpolitik.org dürfte wohl eigentlich niemand mit klarem Verstand am journalistischen Status zweifeln. So kam es, wie es kommen sollte: Beckedahl übte ein wenig medialen Druck aus – und die Jahresakkreditierung kam. Ein sehr wichtiger Schritt in der Frage, welchen rechtlichen Status Blogger in Deutschland denn nun eigentlich haben, und ich danke Markus aus tiefstem Herzen dafür.

Kein Presseausweis, kein Journalist

Allein, das ist nicht das Ende der Geschichte. Um zu verdeutlichen, worauf ich hinaus möchte, werde ich beim Beispiel netzpolitik.org bleiben: Als Anna Biselli, damals eine Praktikantin bei besagtem Blog, zu einem Gespräch mit der Bundestagsfraktion der CDU/CSU gehen wollte (zu dem die Fraktion eingeladen hatte!), wurde sie von der Pressestelle des Deutschen Bundestages abgewiesen, weil sie keinen Presseausweis besaß. Kein Presseausweis, kein Journalist, kein Journalist, keine Akkreditierung. Der Bundestag hat zwar mittlerweile sein verstaubtes Schubladendenken nach dem Schema “Online/Offline” aufgegeben, aber zieht nun eine andere Grenze. In einem Papier zur Unterrichtung des Ältestenrates heißt es:

“Hauptkriterium für die Ausgabe einer Jahresakkreditierung für den Bundestag ist daher der Nachweis einer hauptberuflichen journalistischen Tätigkeit zur Parlamentsberichterstattung. Dies geschieht durch Vorlage eines von anerkannten Journalisten-Organisationen vergebenen Presseausweises beziehungsweise einer redaktionellen Bestätigung sowie entsprechender Arbeitsnachweise. Ziel ist, dass die Jahresakkreditierungen vor allem diejenigen Medienvertreter bekommen, die ständig aus dem Parlament berichten. Medienvertreter, die nicht regelmäßig über den Bundestag berichten, können mit ihrem Presseausweis oder einer redaktionellen Bestätigung jederzeit eine befristete Akkreditierung für einzelne redaktionelle Vorhaben mit politisch-parlamentarischen Bezug erhalten.”

Dürfen wir uns das so einfach machen? Lassen wir mal diese ominöse “redaktionelle Bestätigung” und die Arbeitsnachweise beiseite, die – wie wir am Beispiel von Anna Biselli gesehen haben – eh keinen interessieren. Bin ich nur Journalist, wenn ich einen Presseausweis besitze? Wie war das nochmal mit der Pressefreiheit? Ich bin mal so frei und zitiere aus Artikel 5 des Grundgesetzes:

“(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.”

Korrigiert mich gerne, aber ich denke, da steht nichts von “Presseausweis”. Da steht “Jeder”. Und wenn nicht der Bundestag eine “allgemein zugängliche Quelle” sein sollte, ja was zum Henker denn dann? Abgeordnete werden nicht umsonst Volksvertreter genannt. Sie werden von uns allen gewählt. Allgemeiner geht es kaum. Da gibt es meiner Meinung nach keinen Deutungsspielraum.

Die Sache mit der Hauptberuflichkeit

Ich möchte an dieser Stelle noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen. Der Knackpunkt, an dem sich die Pressestelle des Bundestages damals stieß, war also die Tatsache, dass Frau Biselli nicht hauptberuflich für netzpolitik.org tätig war. Soll heißen: Sie hat kein oder nur wenig Geld damit verdient. Und damit komme ich auch zu der Frage, die mich ganz persönlich betrifft: Ist das, was ich hier auf meinem Blog so treibe, eigentlich Journalismus? Ich verdiene damit nicht meinen Lebensunterhalt. Bin ich ein Schreiberling zweiter Klasse?

Ich bin der Meinung, dass ich hier durchaus journalistisch arbeite. An wen kann ich mich also in diesem Fall wenden? Ah, ich habs – eine Interessenvertretung! Schauen wir uns doch mal an, wie der Deutsche Journalisten-Verband – immerhin der größte seiner Art in Europa – den Beruf des Journalisten definiert und welche Bedingungen damit für die Ausgabe eines Presseausweises gelten:

Ein Journalist ist jemand, der: “hauptberuflich […] an der Erarbeitung bzw. Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Medien mittels Wort, Bild, Ton oder Kombination dieser Darstellungsmittel beteiligt ist, und zwar vornehmlich durch Recherchieren (Sammeln und Prüfen) sowie durch Auswählen und Bearbeiten der Informationsinhalte, durch deren eigenschöpferische medienspezifische Aufbereitung (Berichterstattung und Kommentierung), Gestaltung und Vermittlung oder durch disponierende Tätigkeiten im Bereich von Organisation, Technik und Personal.”

Klingt erstmal ganz nach dem, was ich hier so mache. Nur, da ist wieder dieses “hauptberuflich”.

“Hauptberuflich tätig ist, wer mit seiner journalistischen Tätigkeit den überwiegenden Teil seines Lebensunterhaltes bestreitet, im Zweifelsfall auch, wer den überwiegenden Teil seiner Arbeitszeit journalistischer Tätigkeit widmet. Ehrenamtliche journalistische Arbeit reicht nicht aus.”

Oha. Damit wäre meine Frage eigentlich beantwortet und meine Argumentation am Ende (andere Berufsverbände wie die DJU oder die Freischreiber sehen das übrigens genauso). Tja, das kommt davon, wenn dieses Blogger-Volk sich an ein ernsthaftes Thema jenseits von Katzenbildern und Star Wars heranwagt… Vorbereitende Recherche? Fehlanzeige. Einfach drauf los schreiben, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, das können die. Aber das war es dann auch. Oder?

Unabhängigkeit am Arsch

Es wäre das Tollste für mich, wenn ich hauptberuflich bloggen könnte, aber seien wir mal ehrlich: Vom Bloggen leben können die wenigsten. Bei mir jedenfalls reichen die monatlichen Einnahmen noch nicht mal für ein Kännchen Kaffee. Wenn ich die Ausgaben für Servermiete, Promotion usw. gegenrechne, könnte man die Angelegenheit sogar als recht exklusives Hobby bezeichnen. Ich arbeite tagsüber als Texter und Online-Redakteur für einen Online-Shop und übernehme damit Verantwortung. Für mich, für mein Leben, meine Familie, meine soziale Sicherheit. Ironischerweise schreibt der DJV in der Präambel zu seinem Grundsatzprogramm:

“Eine wesentliche Voraussetzung ihrer Unabhängigkeit ist ihre soziale Sicherheit.”

Gemeint ist natürlich die Unabhängigkeit der Journalisten. Spinnen wir diesen Gedanken doch mal weiter: Würde ich _nicht_ hauptberuflich etwas anderes machen, würde ich damit meine Unabhängigkeit als Journalist gefährden. Und ist nicht gerade diese eines der höchsten journalistischen Güter überhaupt? Wie passt das alles zusammen?

Srsly, liebe Interessenvertretung?

Es ist so, wie ich es eingangs sagte: Ich arbeite als Journalist, werde aber von der Allgemeinheit und sogar von meiner eigenen Interessenvertretung (!) nicht als solcher anerkannt. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber ich finde die o. g. Definition angesichts der Zeit, in der wir leben, ziemlich für den Arsch. Ich bin nur ein ernstzunehmender Journalist, wenn ich damit meinen Lebensunterhalt bestreite? Ernsthaft (Oder: “Srsly?”, wie wir kessen, jungen Leute hier im Internet sagen)? Lässt sich von der Tatsache, dass ich unabhängig schreibe und für meine eigene soziale Sicherheit sorge, irgendeine Aussage über die Qualität meiner journalistischen Arbeit ableiten? Ich denke nicht. Verdammt nochmal, nein.

Ich will kein #Neuland mehr sein

Mal ganz offen und bei allem nötigen Respekt, ihr lieben journalistischen Berufsverbände: In welchem Jahrzehnt seid ihr eigentlich eingepennt? Es geht mir hier gar nicht darum, eure Backförmchen benutzen zu dürfen oder in irgendwelchen Gremien zu sitzen. Ihr sollt meine Interessen als Journalist vertreten, stattdessen handelt ihr mit euren archaischen Zugangskriterien für einen Presseausweis im Sinne einer Regierung, die angesichts der Snowden-Enthüllungen das Internet allen Ernstes als #Neuland bezeichnete. Ihr definiert einen elitären Kreis von Personen, die sich einzig und allein dadurch auszeichnen, dass sie das vermeintliche Glück haben, eine der immer rarer werdenen Festanstellungen im Journalismusbereich ergattert zu haben oder freiberuflich für etablierte Medien zu schreiben. Was ihr damit vollkommen ignoriert, ist die seit Jahren andauernde Entwicklung der Medienlandschaft. Für die meisten von uns ist das Internet kein #Neuland mehr.

Qualität vs Quantität

Was ist also mit dem Medium Blog? Ist es nicht wichtig genug? Und ich meine damit nicht produkttestende Muttis, Tagebuch schreibende Teenager oder andere Amateure. Ich meine Menschen, die sehr viel Zeit, Arbeit, Geld und Leidenschaft – und Professionalität! – in ihr eigenes Medium investieren, jeden Tag Hunderte oder sogar Tausende Leser anziehen und denen dennoch ein Presseausweis und damit die allgemeine Anerkennung als Journalist verwehrt wird – nur weil sie nicht den überwiegenden Teil ihres Einkommens mit dem Bloggen bestreiten.

Ich möchte das noch einmal in aller Deutlichkeit wiederholen:

Hauptberuflichkeit ist kein Qualitätsmerkmal. Qualität ist ein Qualitätsmerkmal. Hauptberuflichkeit sagt – wenn überhaupt – nur etwas über die Quantität meines journalistischen Outputs aus.

Eine qualitative Ja-/Nein-Bewertung der Frage “Bin ich Journalist” mit dem Ausschlusskriterium “Verdienst du damit dein Geld?” halte ich für eine obsolete Sichtweise, die absolut nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Die fetten Jahre sind vorbei, insbesondere in der Verlagswelt. Wir leben nicht mehr in den Wirtschaftswunder-Zeiten, in denen man einen Job bekam und diesen dann 40 Jahre lange ausführte. Und solange ich nicht gerade hauptberuflich Versicherungen verkaufe, die ich dann – vollkommen objektiv natürlich – in meinem Blog platziere, mit Crack deale oder waffenfähiges Plutonium an Nordkorea verhökere, sehe ich auch keinen Interessenskonflikt im Sinne des Pressekodex.

Ich sag jetzt mal was zum Thema Qualität: Längst sind die sogenannten Underdogs in ihren spezifischen Nischenthemen schneller als ihre Onlinekollegen von Spiegel, Süddeutsche, Bild und Co. (als die Printkollegen sowieso…). Wie oft habe ich schon eine Meldung in einem Blog gesehen, nur um ein oder zwei Tage später abwinkend zu registrieren, dass auch die “Großen” das Thema für sich entdeckt haben – und dann noch nicht einmal ihre Quellen verlinken. Und ein kleines Beispiel zum Stichwort Sorgfalt: Wenn ich noch einmal lese, dass die Raumsonde Voyager unser Sonnensystem verlassen hat, obwohl sie das definitiv nicht hat, bekomme ich einen Schreikrampf…

Autonome Informationszellen

Blogger sind mehr als nur ein beiläufiger Teil der modernen Informationsgesellschaft. Sie sind autonome Sender, die einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung leisten. Sie sind in ihren Kern-Themengebieten meistens hochspezialisiert und greifen auf jahrelange Experten-Erfahrung zurück, die man nicht an einer Journalistenschule lernt. Sie erledigen Aufgaben, die sonst von einer ganzen Redaktion plus IT-Abteilung plus Verlag plus Marketing etc. gestemmt werden. Und: Sie sprechen eine zeitgemäße Sprache. Ich warte auf den Tag, an dem ich mal eine Filmkritik in der FAZ lese, die nicht so verschwurbelt ist, dass man sich schon nach den ersten beiden Absätzen einen Nagel ins Ohr hämmern will.

Von Gürtellinien und Kapuzenpullis

Sollte jetzt jemandem ein zynisches “Mimimi” auf den Lippen liegen, möchte ich – mit Verlaub und einem Zuckerhäubchen Respekt obendrauf – folgendermaßen antworten (Mehrfachnennungen möglich):

a): Geh und lies etwas anderes. Hier gibt es nichts für dich zu sehen.
b): Schieb dir dein elitäres Denken in deinen priviligierten Arsch.
c): Deine Mudder.

Ja, genau. Ich begebe mich auch unter die Gürtellinie, wenn die Situation es erfordert oder ich einen Lacher damit auf meiner Seite habe. So machen wir das hier. Ich habe als Blogger gelernt, dass ich meine Leserschaft nicht nur informieren muss, sondern auch hier und da unterhalten darf. Damit mache ich mich relevant. Nicht für Menschen, die über die Vergabe von Presseausweisen entscheiden, sondern für meine Leser. Ich habe kein Monetarisierungsproblem. Ich gehe arbeiten und mache das hier zusätzlich, weil ich es wichtig finde. Und ja, ich bin frustriert. Ich nutze hiermit das einzige Privileg, das ich als Blogger habe: Ich veröffentliche diesen Beitrag, weil _ich_ es so entscheide. Weil _ich_ es wichtig finde. Weil es mich verdammt nochmal _ankotzt_, dass in vielen Redaktionen sogenannte “Hoodie-Journalisten” dazu verdammt werden, die Storys ihrer Printkollegen aufzuwärmen, anstatt eigene Inhalte produzieren zu dürfen, dann aber allgemein als Journalisten anerkannt werden – und Blogger eben nicht. Der Arbeitsvertrag macht den Unterschied. Das kann und darf nicht so sein.

Das Traurige daran ist: Es gibt keine gesetzliche Regelung, die die herausgebenden Verbände dazu zwingt, den Passus “hauptberuflich tätig” in die Bedingungen für den Presseausweis zu schreiben. Und zwar ganz bewusst, weil dies gegen den oben zitierten Artikel 5 GG verstoßen würde. Ich vermute dahinter einfach die mangelnde Bereitschaft, anstrengende Einzelfallprüfungen durchführen zu müssen, wenn jemand wie ich einen Presseausweis beantragt.

Nennen wir die Sache mal beim Namen

Es geht mir hier um Folgendes: Der Status Quo hat eine Situation zur Folge, die nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Sie ist subtil. Wird mir der Presseausweis verwehrt, habe ich kein Zeugnisverweigerungsrecht, keinen Quellenschutz und kein Auskunftsrecht gegenüber Behörden. Ich habe einen erheblich erschwerten Zugang zu Informationen. Ich werde in der Ausübung meiner journalistischen Tätigkeit behindert.

Und das, liebe Kollegen, nennt man Zensur.

Marvin Mügge

Marvin Mügge

Weltraumpräsident at Weltenschummler
Gonzo-Journalist. Hat als Einziger das Ende von Lost verstanden und eine hohe Trash-Toleranzgrenze. Serienaddict, Kinogänger, Medienkritiker, GIF-Sammler und gescheiterter Physiker. Gründer von Weltenschummler.
Marvin Mügge

@mueggemarvin

Freelance Journalist // Blog https://t.co/DUpcz185Ji // An den Social-Media-Tasten @BILDamSONNTAG // Movie Guy @turnon
Verdammt, ist dieser Film gut. Meine Kritik zu #BladeRunner2049 (garantiert ohne Spoiler). https://t.co/LzkXSLS0v6 @turnon @bladerunner - 2 Monaten ago
Marvin Mügge
  • Unfug. Du musst den Nachweis erbringen, dass du dein Geld hauptberuflich
    mit Journalismus verdienst. Mit dem Presseausweis hat das nichts zu
    tun, das ist vorgeschoben.

    • Liebe Vera,

      da – wie du ja weißt – der Presseausweis an eben genau diese Bedingung geknüpft ist, sehe ich nicht, warum das Unfug sein sollte. Was genau meinst du mit “vorgeschoben”? In Bezug auf was genau…?

      • Lies die Begründung der Bundestagsverwaltung. Demnach reicht eine Steuererklärung auch aus. Das Problem: Es arbeiten viele Leute als Journalisten, aber in der Steuerklärung steht eben nicht “Journalist”. Dafür müsste man eine Lösung finden. Sieht im Moment aber eher danach aus, als solle – wirklich! – der alte Status mit einem bundeseinheitlichen Presseausweis wieder hergestellt werden, wie er 93 bis 07 gehandhabt wurde.

        • Hab ich gelesen. Nur damit wir uns richtig verstehen – also stimmst du mir im Grunde zu, dass der Status “Journalist” nicht daran geknüpft sein sollte, ob ich das als unbezahlter Blogger oder festangestellter Redakteur mache?

          • Ja, natürlich. Der Nachweis, dass du dich regelmäßig intensiv mit einem Thema befasst, sollte reichen, um zu entsprechenden Veranstaltungen zugelassen zu werden.

            Manchmal reicht auch schon eine einfache Akkreditierung, Schreiben mit Redaktionsstempel drunter, Abnicken durch den Einladenden, und fertig. Befriedigend ist das aber auch nicht, wie ja Tobias Schwarz (@isarmatrose) hinlänglich beschrieben hat.

  • Michael Firnkes

    Als Blogger (nach “offiziellen” Kriterien kein Journalist) bin ich in
    dieser Frage zwiegespalten. Klar verschwimmen so manche Grenzen. Und es
    gibt (wenige) Blogger, die hinsichtlich inhaltlicher Qualität Bestnoten
    verdient hätten. Gleichzeitig sehe ich, dass es viele meiner
    Blogger-KollegInnen mit dem Pressekodex und überhaupt mit einer
    Sorgfaltspflicht nicht so genau nehmen. Etwa hinsichtlich der Trennung
    von Werbung und Redaktion.

    Dann würde ein Verschwimmen der
    Grenzen dem Journalismus schaden. Dass einige Journalisten online
    ebenfalls unsauber arbeiten, kann dabei m.E. nicht als Ausrede
    herhalten.

    • Hallo Michael,

      diese
      Grenze, die du ansprichst, ist ja eben das Problem. Diese grundsätzliche
      Trennung halte ich für falsch. Und selbstverständlich sollten sich auch
      Blogger, die den Anspruch haben Journalist zu sein, an den Pressekodex
      halten.

      Die Lösung liegt imho in einer jeweiligen
      Einzelfallprüfung, die sich dann aber eben nicht danach richtet, womit
      ich mein Geld hauptsächlich verdiene, sondern ob ich regelmäßig
      journalistisch tätig bin – oder eben nicht.

    • Daniel Siegmund

      Nicht nur “einige” Journalisten arbeiten unsauber, und das auch nicht nur online. Spätestens seit der Printkrise haben wir es doch zu großen Teilen beim klassischen Journalismus mit hastig überarbeiteten Pressemitteilungen und lieblos genormten, billig eingekauften Freelancer-Arbeiten zu tun. (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Ich denke, dass die Presseausweis-Politik schon auch Teil des Rückzugsgefechts des klassischen Journalismus und seiner Intressenvertreter ist. Die wären ja blöd, uns reinzulassen und sich damit selbst Konkurrenz zu machen. Aber früher oder später wird es den Dammbruch geben, denke ich. Verschwimmen der Grenzen? Ich hoffe, dass bald Journalismus und Bloggen gar nicht mehr voneinander unterscheidbar sein werden.

  • AndreasP

    Das ist doch eigentlich alles eine lange Einführung auf eine Forderung, die dann aber nicht dasteht: Blogger brauchen einen Berufsverband, der Presseausweise ausstellt.

    • Das wäre auch nicht Sinn und Zweck der Sache, wenn Blogger jetzt einen eigenen Berufsverband – oder noch schlimmer – eine Art Behelfspresseausweis bekommen würden. Wenn ein Blogger journalistisch arbeitet, sollte er Anspruch auf einen Presseausweis von DJV, DJU und Co. haben.

  • Anna

    Zuerst einmal: Bloggen ist ja nun erstmal nur eine Veröffentlichungsart und noch
    kein Beruf. Schließlich gibt es ja auch Journalisten (Beruf), die
    bloggen (Veröffentlichungsform). Warum willst Du also von einem
    Berufsverband wie dem DJV einen Berufsausweis, wo Dein Beruf doch nicht
    Journalist, sondern, wie Du schreibst, Texter ist?

    Davon agesehen mal eine Gegenfrage: Ich schneide mir seit Jahren die Haare selbst. Bin ich deshalb Frisörin? Was ich sagen will: Das Kriterium “hauptberuflich” hat ja nicht nur einen zeitlichen Aspekt. Hauptberuflich impliziert ja auch, dass ein Medium jemanden eingestellt hat, weil er von dessen beruflicher Qualifikation überzeugt ist. Diese Qualifikation hat sich ein Journalist in der Regel ja durch eine journalistische Ausbildung erworben. Das bedeutet, dass er von anerkannter Seite Dinge wie Medienrecht, journalistische Darstellungsformen, Recherche, etc. über einen längeren Zeitraum gelernt hat. Journalismus ist mehr als nur Gedanken aufschreiben und auf “Veröffentlichen” klicken. (Dass nicht alles, was Journalisten veröffentlichen qualitativ hochwertig ist, darüber müssen wir nicht reden. Dasselbe gilt natürlich auch für Blogger). Journalist zu sein, hat also auch etwas mit beruflicher Ausbildung und dem entsprechenden Handwerkszeug zu tun. Das gleiche hatten wir doch schon mit dem dämlichen Begriff des “Bürgerjournalisten”, der Journalismus suggerierte, nur eben von Bürgern. Dass das Ganze aber nichts mit Journalismus zu tun hatte, wurde aber übersehen. Oder würdest Du Dich analog dazu von einem Bürgerpiloten in den Urlaub fliegen oder von einem Bürgerchirurgen operieren lassen?

    • Hi Anna,

      deine Gegenfrage mit der Frisörin, dem “Bürgerpiloten” und dem “Bürgerchirurgen” ist natürlich genauso zugespitzt wie meine These. Sehr schön ;). Aber:

      1. Natürlich gibt es viele, die eine journalistische Ausbildung absolvieren, doch ist das meines Wissens keine Zugangsvoraussetzung, um als Journalist zu arbeiten – geschweige denn Usus. Ich habe jetzt keine Statistik zur Hand, aber ich denke, wir können davon ausgehen, dass ein großer Teil der Journalisten in Deutschland etwas anderes studiert hat und dann über die Praxis in den Beruf kam. Und was ist Bloggen denn anderes als Praxis?

      2. Mir ist der Unterschied zwischen Veröffentlichungsform und Beruf durchaus klar. Aber wenn du es schon so genau nimmst: “Journalist” ist genauso wenig ein Beruf wie “Blogger”. Beide Bezeichungen sind nicht gesetzlich geschützt. Mir geht es einfach um den rechtlichen Status eines Journalisten, der eben leider im Zweifelsfall immer noch an dem Presseausweis hängt. Ich kann deine Argumentation nachvollziehen, dass es ein Qualitätsmerkmal sein kann, wenn man bei einem namhaften Medium arbeitet. Im Umkehrschluss sollte man aber nicht per se davon ausgehen, dass es mir an Qualifikation mangelt, wenn ich das nicht tue. Meinen Status als Publizist davon abhängig zu machen, ist mir zu autoritätsgläubig.

      3. Ich würde mir die Haare von dir schneiden lassen, wenn du sagst, dass du das draufhast ;).

      However, auch wenn wir da scheinbar nicht einer Meinung sind, ich freue mich über die Diskussion!

      • Ich denke, das ist der Punkt: Qualifikation durch eine Plastikkarte legitimieren zu wollen.

        Und wenn ich an all die braunen Presseausweise denke …

        • Anna

          Hallo nochmal,

          ich kann verstehen, dass Du verärgert bist, keinen Presseausweis zu bekommen. Ich denke oft genug, dass manch ein Journalist sich diesen nicht verdient. Dennoch würde ich Deiner Argumentation in manchen Punkten widersprechen bzw. auf Ungenauigkeiten hinweisen wollen:
          RIchtig ist, dass Journalist kein gesetzlich geschützter Beruf ist. Dennoch gibt es eine Zugangsberechtigung, die sehr wohl Usus ist und das ist das Volontariat bzw. die Journalistenschule. Die allermeisten Journalisten haben ein solches bzw. eine solche absolviert, was auch so gut wie immer Einstellungsvoraussetzung ist.

          Richtig ist auch, dass die meisten Journalisten nicht Publizistik oder Kommunikationsswissenschaft studiert haben. Das ist m.M. auch gut so, denn da geht es ja um die Wissenschaft des Publizierens und nicht um journalistisches Arbeiten. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich Dir sagen, dass es den meisten Redaktionen lieber ist, wenn jemand ein spezielles Fachwissen durch sein Studium erworben hat und eben NICHT Journalismus studiert hat. Die meisten Journalisten haben Geistes- oder Sozialwissenschaften studiert (Quelle DJV).

          Richtig ist weiterhin, dass die meisten Journalisten (z.B. während ihres Studiums) über die Praxis in den Beruf kamen. Praxis bedeutet hier “als Praktikant und freier Mitarbeiter”. Der Unterschied zum Bloggen ist aber, dass das praktische Arbeiten hier unter Anleitung erfahrener und ausgebildeter Journalisten passiert.

          Der Satz von vera “Qualifikation durch eine Plastikkarte legitimieren zu wollen.” greift mir zu kurz. Qualifikation wird nicht durch das Ausstellen der Karte legitimiert, sondern durch den tatsächlich ausgeübten Beruf, dem i.d.R. eine Ausbildung vorausging, da man ohne diese in den allermeisten Medien nicht arbeiten kann. Erst am Ende dieses Prozesses bekommt man dan die “Plastikkarte”.
          Irgendwelche Kriterien braucht ein Berufsverband eben und Qualität der Arbeit kann dieses Kriterium für mich nicht sein, da das doch mitunter eine sehr subjektive Einschätzung ist. Ich bezeichne mich auch nicht als Bäcker, nur weil Tante Helene meint, dass mein Nusskuchen super schmeckt. Ich bezeichne mich nicht als Bäcker, weil ich vielleicht toll Nusskuchen backen kann, aber zum Beispiel keine Ahnung vom Lebensmittelrecht habe. Das lernt man nämlich in einer Ausbildung.

          Abschließend: Ich bin ein großer Freund davon, dass die Qualität einer Arbeit an der Arbeit selbst und nicht am Status des Schreibenden gemessen wird. Das ist aber nur eine Einschätzung der Arbeit. Deshalb bin ich genauso ein Freund davon, dass die Einschätzung der Zugehörigkeit zu einem Berufsstand an Kriterien wie zum Beispiel Ausbildung gekoppelt ist und nicht an die Selbsteinschätzung des Einzelnen. Eine Ausbildung ist ja nicht dazu da, bestimmte Menschen auszuschließen, sondern um ihnen etwas beizubringen. Das hat für mich auch nichts mit Autoritätsdenken zu tun.
          Grüße,

          Anna (Journalistin, Bundestrainerin, Floristin, Neurochirurgin und professionelle Kartenlegerin) :-)

          • Hi Anna (nochmal ;)),

            ich stimme dir vollkommen zu, dass Ausbildung eine sehr wichtige Sache ist und verstehe, dass du deine eigene Professionalität und die deiner Kollegen in Ehren halten möchtest. Die möchte ich hier auch gar nicht in Abrede stellen. Nichtsdestotrotz gibt es viele Wege zu lernen. Der eine braucht die persönliche Anleitung, der andere wälzt lieber Bücher etc.

            Der Punkt ist: Es geht mir nicht um meine Selbsteinschätzung, im Gegenteil. Ich fordere nichts anderes als das Recht, von unabhängiger Stelle, wie zum Beispiel dem DJV oder der DJU, eine Einschätzung zu meiner Qualifikation als Journalist erhalten zu dürfen – und zwar ohne das mMn sinnlose Kriterium der Hauptberuflichkeit. Das ist aber mit dem derzeitigen Status Quo überhaupt nicht möglich, weil mein Antrag ohne die entsprechenden Nachweise gar nicht erst bearbeitet werden würde.

            Der Status eines Journalisten nimmt durch Art. 5 GG nun mal eine ganz besondere Stellung ein und ist nur bedingt mit einem Bäcker oder Chirurgen vergleichbar. Ich habe nicht das verfassungsmäßig garantierte Recht, Leuten den Bauch aufzuschneiden. Das Recht, meine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und insbesondere, mich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten, schon. Und da letzteres nun mal an den Presseausweis gekoppelt ist, habe ich einen entscheidenden Nachteil, wenn ich mir ein eigenes Medium wie einen Blog aufbauen möchte und nur begrenzte finanzielle Ressourcen habe, um z. B. eine GmbH zu gründen und mich selbst anzustellen. Wir müssen es auch gar nicht “Blog” nennen. Ich könnte auch einfach “elektronische Zeitschrift” dazu sagen. Würde das was ändern? Oft denke ich, dass der Begriff des Bloggers einfach sehr negativ besetzt ist und bei vielen so etwas wie Amateurhaftigkeit impliziert.

            Wie gesagt: Ich fordere hier _nicht_ eine Runde Presseausweise für alle. Ich fordere einfach eine faire Chance zur unvoreingenommenen Beurteilung meiner Arbeit, weil ich der Meinung bin, dass ich (und viele andere) sie verdient hätten.

          • Anna

            Schöne Diskussion, vielen Dank schon mal dafür.

            Es geht mir gar nicht um die Ehre, sondern u.a. auch um Grundsätzliches. Dank des Internets ist es seit einiger Zeit möglich, dass jeder etwas tun kann, was bis dato vor allem Journalisten vorbehalten war: Für eine breite Leserschaft publizieren. Das mögen viele demokratisch nennen (ist es in gewisser ja auch). Ich sehe aber auch das Problem, dass dadurch das, was aussieht wie Journalismus, auch für Journalismus gehalten wird. Auch wenn ich mir jetzt den Hass der gesamten Blogosphäre zuziehe: Die wenigsten Blogs, die ich kenne, haben tatsächlich etwas mit Journalismus zu tun. Das müssen sie ja auch gar nicht, denn entstehungsgeschichtlich waren sie ja auch nicht dafür gedacht.
            Soweit das Grundsätzliche.
            Zu deinen Argumenten. Du brauchst keinen Presseausweis, um deine Rechte aus Artikel 5 auszuüben. Deswegen steht da ja “Jeder” und “allgemein zugänglich”. Das heißt, Du kannst in den gesetzlichen Grenzen publizieren wie Du willst. Nur bist Du deswegen halt noch kein Journalist. Und zwar deswegen, weil Du es eben nicht hauptberuflich machst. Das ist doch auch ganz logisch, dass man sich als das bezeichnet, was man überwiegend ausübt. Deshalb bezeichnet man ein rotes Auto ja auch als rot, auch wenn es einen blauen Rückspiegel hat. Daher finde ich das Kriterium der Hauptberuflichkeit durchaus gerechtfertigt, weil es neben der zeitlichen Komponente eben auch aussagt, dass Du dieses Beruf gelernt hast. Das Kriterium der Hauptberuflichkeit ist übrigens nicht nur für den Presseausweis relevant, sondern auch für die Sozialversicherung. In die KSK kommt man eben auch nur dann, wenn man als freiberuflicher Journalist seine Tätigkeit hauptberuflich ausübt.
            Darüber hinaus sagt hauptberuflich ja eben aus, dass sich jemand die Hauptzeit seines Berufs auch mit seinem Beruf beschäftigt und das kann für mich durchaus ein Qualitätskriterium sein. Ich gehe auch lieber zu einem Arzt, der nicht nur einmal pro Woche jemanden behandelt, sonder seinen Beruf öfter ausübt. Dazu noch eine Frage: Wir sind uns ja einig, dass es einiger Kriterien für die Ausstellung eines Presseausweises bedarf. Wie sollen die für dich denn konkret aussehen?

            Bleibt noch Dein Problem, nicht selbst eine “elektronische Zeitschrift” gründen zu können. Dieses Problem hat nichts mit deinem nicht vorhandenen Presseausweis zu tun, sondern ist ein rein unternehmerisches. Ein freiberuflicher Journalist ist nichts anderes als ein Unternehmen und muss sich als solches am Markt behaupten. D.h. wenn du einen sich tragenden Blog aufbauen möchtest, brauchst du zuerst ein entsprechendes Finanzierungsmodell und keinen Presseausweis!

            Zum Schluss kann ich Dir aus Erfahrung sagen, dass für die Akkreditierung zu Presseveranstaltungen nicht unbedingt die Existenz eines Presseausweises nötig ist. Oft genug zählt hier die Relevanz des Journalisten. Nicht umsonst bekommt bei begrenzten Kapazitäten der Mann vom Spiegel eher einen Platz als jemand von der Harsewinkeler Schneckenpost. Wenn Du also mit deinem Blog genügend Leute erreichst, wirst Du mit Sicherheit auch akkreditiert.

          • Ich freue mich auch über die Diskussion, fürchte aber, dass wir uns nicht mehr einig werden ;).

            Um in deinem Beispiel zu bleiben: Es ist durchaus korrekt, ein Auto mit blauem Rückspiegel als rot zu bezeichnen, wenn es das überwiegend ist. Das macht aber die Aussage, dass es blau ist, nicht falsch.

            Zu deiner Frage mit den Kriterien habe ich mich ja schon geäußert: Qualität statt Quantität. Ich für meinen Teil bevorzuge jedenfalls Bäcker, die gute Brötchen backen, unabhängig davon, ob sie das 1x die Woche oder 30x am Tag machen.

          • Eine Idee kam mir gerade noch, um dir vielleicht zu demonstrieren, dass auch Blogs etwas mit Journalismus zu tun haben: Was hältst du denn davon, deine Position hier als Gastbeitrag zu veröffentlichen – im Sinne der Meinungsfreiheit und des kollegialen Respekts?

          • Du vertrittst ein sehr konservatives Bild von Journalismus. Ich könnte
            dir unterstellen, dass du – wie viele, gerade ältere, Kollegen –
            Besitzstandswahrung betreibst und dabei ignorierst, dass “die Presse” sich sehr gern bei denen bedient, die sie als Kollegen auf ihrem
            Fachgebiet nicht haben will. Berufsethik schreiben viele öffentlich ganz groß, aber wehe, sie sollen ein Blog als Quelle nennen oder gar dorthin verlinken.

            Mir kommt bei dir auch das Fachwissen, das sich jemand “nebenbei” angeeignet hat, zu kurz. Wenn jemand auf einem bestimmten Gebiet sehr beschlagen ist und darüber regelmäßig und fundiert berichtet, soll er auch einen Presseausweis kriegen.

            Netzpolitik.org ist ein gutes Beispiel, die jahrelang mit iher
            Berichterstattung allein waren auf weiter Flur, während die “Profis”
            schon bei dem Begriff zusammengezuckt sind.

            Außerdem regt mich viel mehr auf, dass anscheinend bei Neonazis mit anderem Maß gemessen wird. Das sind ganz sicher nicht alles Journalisten (oder Blogger), aber da scheint niemand auf die “hauptberufliche Tätigkeit” zu gucken.

  • netzpolitik

    Ich gehe mal davon aus, dass man Pressefreiheitsrechte auch ohne Ausweis hat. Als ich 2009 Probleme mit der Deutschen Bahn hatte, hat mir ein befreundeter Anwalt bereits ein komplettes Gutachten geschrieben, dass meine Arbeit von der Pressefreiheit gedeckt war/ist. Da hatte ich keinen Presseausweis. Wichtig ist, dass man journalistisch arbeitet und das muss man dann ggf vor Gericht erklären. Aber vor Gericht müsste man auch mit Presseausweis.

    • Na ja, die Frage, ob man journalistisch arbeitet, würde sich mit Presseausweis schon von selbst beantworten oder?

      • netzpolitik

        Genau da bin ich mir nicht sicher. Ich halte den Presseausweis für ein Schein-Ding. Spiegel-Redakteure haben den gar nicht und jeder PR-ler in Deutschland besitzt einen, aber nicht jeder Journalist. Den braucht man, um kostenlos ins Museum zu gehen oder Presserabatte zu bekommen. Ich konnte ihn bisher nur gebrauchen, damit die Verteidigungslinie des Bundestages fällt, mir eine Akkreditierung geben zu müssen. Das fand ich aber unsinnig, weil ich auch ohne schon Parlamentsberichterstattung gemacht habe und dafür verschiedene journalistische Auszeichnungen erhalten habe. Insofern sollte die Linie nicht sein, dass mehr Leute so einen Ausweis erhalten dürfen, sondern dass unter der Pressefreiheit die stehen, die journalistisch arbeiten. Ob hauptberuflich oder nur aus Spaß.

        • Da kann ich dir nur zustimmen – genau darum geht es mir. Dass ich so auf den Ausweis poche, ist natürlich Prinzipienreiterei, das ist mir schon klar. Eine Lösung wie von dir vorgeschlagen wäre mir genauso recht.

  • Pingback: Sind Blogger die schlechteren Journalisten? | Marktding()

  • Die Lösung liegt imho in einer jeweiligen
    Einzelfallprüfung, die sich dann aber eben nicht danach richtet, womit
    ich mein Geld hauptsächlich verdiene, sondern ob ich regelmäßig
    journalistisch tätig bin – oder eben nicht.