Turritopsis Dohrnii: die unsterbliche Spezies

Bild: Takashi Murai / The New York Times

Bild: Takashi Murai / The New York Times

Der Traum vom ewigen Leben

Der Wunsch nach Unsterblichkeit ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Allein, es mangelte an der Machbarkeit: Das Prinzip der Vergänglichkeit ist nun mal fester Bestandteil des Lebens. Doch es gibt tatsächlich eine Spezies, die diesem Konzept trotzt: Die Quallenart Turritopsis dohrnii kann ihren Lebenszyklus umkehren und sich verjüngen. Diese Fähigkeit ist absolut einzigartig und macht sie quasi unsterblich (wenn man mal von Gewalteinwirkung absieht). Zumindest trotzt sie dem Alter und damit dem unbarmherzigen Zahn der Zeit, dem wir alle unterworfen sind – und das ist schon mal sehr beeindruckend.

Der Zufall ist des Wissenschaftlers bester Freund

Wie so viele Entdeckungen der Wissenschaft geschah auch diejenige der unsterblichen Spezies Turritopsis dohrnii durch einen Zufall, und zwar bereits 1988. Der deutsche Meeresbiologie-Student Christian Sommer führte in jenem Jahr Forschungsarbeiten an der italienischen Riviera durch, bei denen er das Reproduktionsverhalten von kleinen Nesseltierchen, den sogenannten Hydrozoen untersuchte. Diese Meeresbewohner ähneln in ihrem Aussehen – je nach Lebensstadium – entweder Quallen oder Weichkorallen. Sommer nahm Proben des Meeresbodens und legte in Petrischalen Kolonien der Mikroorganismen an. Allerdings sammelte er mit seinen Planktonnetzen eben nicht nur die gewünschten Hydrozoen, sondern unter anderem auch Exemplare von Turritopsis dohrnii ein. Nach einigen Tagen stellte er fest, dass sie sich ziemlich ungewöhnlich verhielten: Sie starben einfach nicht. Doch nicht nur das. Sie durchliefen scheinbar Zyklen der selbständigen Wiedergeburt, das heißt, nachdem sie ein bestimmtes Alter erreicht hatten, taten sie es Benjamin Button gleich und kehrten den Alterungsprozess um. Sie wurden wieder jünger und begannen dann ihr Leben wieder von vorn (daher ist Turritopsis dohrnii übrigens auch als die “Benjamin Button Qualle” bekannt).

Sommer war verständlicherweise ziemlich beeindruckt von dieser Fähigkeit, verkannte aber damals (wie übrigens nahezu die komplette restliche Wissenschaftswelt) das unglaubliche Potential dieser Entdeckung. Einzig und allein eine Handvoll Biologen aus Genua führte, angeregt durch Christian Sommers Entdeckung, die Forschung weiter und veröffentlichte 1996 eine wissenschaftliche Arbeit über Turritopsis dohrnii, die Sommers Beobachtungen bestätigte.

(Video Direktlink für Mobiluser)

Ein unlösbares Rätsel mit einer unvorstellbaren Antwort?

Bis heute wissen wir relativ wenig über die Mechanismen, die zu dieser einzigartigen Laune der Natur führen. Das mag zum einen daran liegen, dass es kurioserweise relativ schwer ist, die unsterblichen Quallen unter kontrollierten Bedingungen zu züchten. Der bisherige “Rekord” liegt bei einem japanischen Wissenschaftler der Kyoto Universität, dem es gelang, eine Kolonie über zwei Jahre hinweg zu kultivieren, in deren Verlauf sich seine Turritopsis dohrnii zehn Mal selbst “wiedergebaren”. Klar ist bisher nur, dass die Zellen dieser Mikroorganismen quasi (ähnlich den menschlichen Stammzellen) jederzeit eine Transformation durchführen können, sodass z. B. aus einer Hautzelle eine Nervenzelle wird.

Der andere Grund, warum nicht bereits Heerscharen von Wissenschaftlern mit immensen Geldmitteln der Industrie ausgestattet wurden, ist wahrscheinlich philosophischer Natur: Das unumstößliche, lineare Konzept des Lebens (du wirst geboren, du lebst und dann stirbst du) ist so fest in uns verankert, dass es einfach unvorstellbar erscheint, dieses Prinzip aus den Angeln zu heben. Man stelle sich die Konsequenzen vor, sollte dieser Prozess tatsächlich für den Menschen nutzbar gemacht werden.

Die Qualle der Pandora

Nichtsdestotrotz wird genau das natürlich, wenn auch in ferner Zukunft, irgendwann geschehen. Die New York Times hat jüngst einen ausführlichen und sehr interessanten Artikel darüber veröffentlicht, ob diese Qualle nun vielleicht auch uns Menschen dem Traum von Unsterblichkeit näher bringen oder zumindest die Lebensqualität im Alter drastisch erhöhen kann.

Beibt also nur noch die Frage: Wollen wir wirklich ewig leben? Bringt Unsterblichkeit die ultimative Befreiung von allem Leid oder führt sie zum Stillstand? Der Gedanke, unbegrenzt Zeit zur Verfügung zu haben, ist mehr als verlockend. Aber wie verhalten wir uns, wenn wir wissen, dass wir nicht sterben können? Ich bin mir nicht sicher. Was meint ihr?

[via Bored Panda]

Marvin Mügge

Marvin Mügge

Weltraumpräsident at Weltenschummler
Gonzo-Journalist. Hat als Einziger das Ende von Lost verstanden und eine hohe Trash-Toleranzgrenze. Serienaddict, Kinogänger, Medienkritiker, GIF-Sammler und gescheiterter Physiker. Gründer von Weltenschummler.
Marvin Mügge

@mueggemarvin

Freelance Journalist // Blog https://t.co/DUpcz185Ji // An den Social-Media-Tasten @BILDamSONNTAG // Movie Guy @turnon
RT @IanAlda: They should start naming hurricanes after notable climate change deniers - 2 Wochen ago
Marvin Mügge
  • Matthias Werner Mohr

    Es gibt wohl mehr als 1000 Arten zu Tode zu kommen. Eine davon ist eine nur der sog. “natürliche” Tod. Aber so natürlich scheint er gar nicht zu sein, sehen wir uns diese Tiere an. Es besteht die Gefahr dass dieses Wissen sich nur sehr wenige zu nutze machen werden wollen. Soetwas gibt es schon lange. 1000sende Patente und reichhaltiges Wissen werden heute schon absichtllich zurückgehalten aus vielen für div. Kreise “praktischen” Gründen heraus. Defakto ist das so. Falls das Wissen frei bleibt müssen natürlich politische Lösungen bei. Auf ganz neue überdachte Art und Weise sollten wir an die vielen Probleme herantreten und zu nachhatigen Lösungen führen. Möglich ist es. Bitte fragt nach

    • Damond Pink

      Honored Mr Werner please enter me more information regarding to this subject. Gerne auch in deutsch. Tank you. Dankeschön.

      • Forschung Biotechnologie: Drei Ansätze zur Zellenerneuerung aus England, Deutschland, USA Ein Team der Universität New South Wales,
        hat einen weiteren durchdringenden Erfolg zur Zellforschung hier im
        Felde der Zellenkommunikation erzielt. So gibt der Molekular-Biologe
        Prof. David Sinclair der Universität New South Wales bekannt: “Was
        wir hier aufzeigen konnten ist, dass man das biologische Alter
        zurückfahren kann, oder zumindest glauben wir einen Weg gefunden zu
        haben, das zu tun.“ (Versuche an Mäusen erfolgreich). Professor Sinclair hofft, dass Versuche mit Menschen im nächsten Jahr beginnen können Hier
        Sensation: Die Natur dieses Planeten beinhaltet Lebensformen welche die biologische Zellenalterung periodisch sowie verlustfrei rückgängig zu machen in der
        Lage sind. Es zeigt sich amtlich dass für diese nahezu unfassbare
        Lebenskraft extrem seltene wie spezielle Gene verantwortlich sind. Diese
        genialen Gene sind ebenso der menschlichen Biologie geschenkt. Viele
        Wissenschaftler haben sich der Funktionsweise dieser Gene an die Fersen
        geheftet um den vorhandenen Mechanismus der Programmumkehr zu finden. Hier ( Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ) ein link konnte ich nicht anbringen

        Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel CAU haben nach ausgeklügelter Suche das lang erhoffte Gen des Todes identifiziert: Das
        FoxO-Gen ist Verursacher der potentiellen Unsterblichkeit. Die
        Programme welche die Zellenalterung regeln – lassen sich umkehren –
        wie einige Spezies des Planeten zeigen. Nun gilt es, einfach
        ausgedrückt, die Schalter in den für die Zellenalterung verantwortlichen
        Mechanismen des Genes aufzustöbern.

        Auszug Der Spiegel: […] “ Sie lebt im Mittelmeer, trägt den Namen Turritopsis nutricula und ist unsterblich – solange sie nicht gefressen wird ”. Hier

        Auszug Die Welt: […] “Die gealterten Zellen kehren an ihren Anfang zurück, erneuern sich und beginnen wieder von vorn” . Hier

        Auszug Süddeutsche Zeitung: […] “ Das heißt, sie stellt ihre innere Uhr wieder auf Jugend und beginnt erneut zu altern ”. Hier

        Die Welt: Alterung bei Mäusen abgestellt: Hier

        Wissenschaft Krebsforschung: Manipulierte & aktivierte Gene. Hier.

        Menschliche Krebszellen altern nicht aus > Bild der Wissenschaft Aktivator für Stammzellen:

        Auszug Pressemitteilung Übersetzung sinngemäß: “Gewebe
        besitzt einen molekularen Mechanismus für die Alterung welcher noch
        nicht verstanden wird. Deshalb ist die Forschung bei Stammzellen
        besonders spannend, weil statt der Fokussierung auf bestimmte Gewebe
        können wieder frisch aktivierte Stammzellen den ganzen Körper,
        einschließlich des Gehirns, so herstellen wie sie jung waren und ihre
        Arbeit tun. Für die Zellalterung zeichnet klar verantwortlich – ein
        Wachstumsfaktor (positiv/negativ wie TGF-beta1). Dieser reguliert
        wie wir altern indem er die Aktivität der Stammzellen unterdrückt. Die
        Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Oncotarget erklärt, wie man
        endlich herausgefunden hat diese Aktivität abzuschalten. Bei Mäusen
        laufen die