Rezension: Stardeath and White Dwarfs – Wastoid

Stardeath and White Darfs - Wastoid Cover (c) Stardeath and White Dwarfs

Stardeath and White Darfs – Wastoid Cover (c) Stardeath and White Dwarfs

Der Neffe des Flaming Lips-Obergurus Wayne Coyne hat auch eine Psychedelic-Rock-Band. Und die ist deutlich geiler als alles, was die Lips je zustande gebracht haben. Hoffentlich führt das nicht zu schlechter Stimmung im Hause Coyne …

Der gute alte Gutfindezwang

Es gibt diese Bands, die man einfach mögen sollte, wenn man einem bestimmten musikalischen G’schmäckle verfallen ist. Und manchmal klappt das trotzdem nicht. Als alter Hamburger-Schule-Möger ist es mir trotz zusammengebissener Zähne nie gelungen, Tomte gut zu finden, und trotz meiner Postrock-Affinität bekomme ich bis heute von The Mars Volta einfach nur Kopfschmerzen und das Bedürfnis nach Ruhe.

Ähnlich verhielt es sich lange Zeit mit den Flaming Lips. Psych-Rock – Yäi! Acid-Fuzz – Hurra! Skurrile Videos mit Miley Cyrus und weltfremde Filmprojekte wie „Christmas on Mars“ – Awesome! Und doch: Trotz massig Sympathie und künstlerischer Wertschätzung für die Flaming Lips kann ich selten ein Album am Stück durchhören. Oft sind mir die Songs zu vollgeplöckert mit (großartigen, aber unsortierten) Ideen, zu ADS-poppig auf eine sgt.-peppers-eske Art und damit auch wieder schlicht zu anstrengend. Ein bisschen so, als würde das Pokemon-Animationsteam ein experimentelles Drehbuch von David Lynch verfilmen. Nur eben als Musik.

Stardeath and White Dwarfs sind die besseren Flaming Lips

Stardeath and White Dwarfs (SAWD) aus Oklahoma hingegen haben alles, was die Flaming Lips haben – und dazu noch etwas Entscheidendes, das der großen Psychedelic-Verwandschaft fehlt: Groove und Stringenz. „Wastoid“, das zweite Studioalbum von Stardeath and White Darfs, ist Acid-Rock, der schwer und breit rollt. Flaming-Lips-Sound zum Mitnicken – so, als hätte hier die Rhythmusgruppe auch mal das Recht zum Abtrippen. „Wastoid“ versucht nicht, clever oder anders zu sein. Die Platte rockt einfach. Meine erste Assoziation war: Wow, das klingt, als hätte den Flaming Lips beim Aufnehmen jemand immer mal gesagt: Okay, stopp, der Song ist fertig – ihr könnt aufhören!

Bewusstseinserweiternde Familienbande

Die Nähe zwischen den Lips und SAWD hat übrigens dynastische Gründe: Stardeath-Sänger Dennis Coyne ist der Neffe von Lips-Frontmann Wayne Coyne, und die alten Herren haben SAWD wohlwollend unter ihre neonfarbenen Fittiche genommen. Das erste Mal war ich mit SAWD konfrontiert, als ich mir die brilliante Pink Floyd-Cover-Schallplatte „The Flaming Lips and Stardeath and White Dwarfs with Henry Rollins and Peaches Doing The Dark Side of the Moon“ (2009) angehört habe – ganz klarer Anspieltipp übrigens, das Ding hat nicht nur einen ultra sperrigen Titel sondern ist auch brilliant. Stardeath and White Dwarfs durften sogar schon mal als Vorband mit den Flaming Lips auf Tour gehen.

Deutlicher könnte man nicht zeigen, wer hier der Kuchen ist und wer die Krümel. Und doch: SAWD sind einfach die bessere Band. Der Unterschied ist wohl der: Während man die Flaming Lips beim Trippen begleitet – und das bedeutet eben auch: mit ihnen zerfasert, sinnlich überstimuliert und hysterisiert wird – bieten sich Stardeath and White Dwarfs als souveräne Führer auf die gute Seite des Trips an. Das mag weniger experimentell und somit weniger psychedelic-hipster-affin sein, aber hey, es ist halt geiler! Glaubste nicht? Hör doch mal „Wastoid“ durch, bis du an eine Stelle kommst, an der du denkst: „Huch, bis eben war die Platte noch so super, was ist denn jetzt passiert?“ Und dann schaust du dir den Titel an. Ich wette, da steht „The Screaming (feat. the Flaming Lips)“ …

Daniel

Daniel

The Other Guy at Weltenschummler
Schreiberling mit halbwegs kontrollierter Tastatur-Tourette. Concerned but powerless. Musiker, Teilzeithippie und Linksträger. Kann sich nicht an das Ende von “Fear and Loathing in Las Vegas” erinnern. Ehemaliger Copilot von Weltenschummler.
Daniel