Machete Kills: Von der Kunst der maßlosen Übertreibung

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© Universum Film GmbH

Absurd, absurder, Machete. Robert Rodriguez bleibt sich auch im zweiten Teil seiner Exploitation-Saga um den klingenschwingenden Super-Antihelden treu und legt mit “Machete Kills” eine Grindhouse-Hommage auf den Tisch, die dem geneigten Zuschauer genau das liefert, was er erwartet: Eine Trash-Explosion aus Sex, Gewalt und Selbstironie. Die Kritiken zum Kinostart waren größtenteils vernichtend – Grund genug für mich, die kürzlich erschienene DVD in den Player zu werfen und mir selbst eine Meinung zu bilden.

Fuck off, Party Poopers!

Und mal ehrlich, ihr sogenannten “Filmkritiker” da draußen: Wie kann man diesen Film nicht großartig finden? Schon nach den ersten 20 Minuten sitze ich innerlich applaudierend auf dem Sofa und feiere jeden blutigen Moment dieses grotesken Meisterwerks. Hattet ihr wirklich einen Film erwartet, der sich selbst ernst nimmt? Ihr müsst wirklich die größten Party Pooper des Universums sein, wenn ihr die Splatter-Komik von “Machete Kills” nicht versteht. Ich stelle mir vor, wie ihr so dasteht und euch über das künstlerische Œuvre von Robert Rodriguez unterhaltet und dass er früher ja soooo viel besser war, als er es noch nicht darauf anlegte, Kultfilme zu machen. Währenddessen nippt ihr wahrscheinlich an eurem Mädchen-Bier, knabbert glutenfreie Salzbrezelchen und kultiviert euren pseudo-intelektuellen Stock im Arsch. Mimimimimi.

Hochkarätige Genre-Parodie

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Es ist doch klar: Robert Rodriguez ist kein Wes Anderson und auch kein Alfonso Cuarón, noch nicht mal ein Tarantino. Das muss er aber auch gar nicht sein. Er ist mehr wie Michael Bay in cool und auf Crack. Politisch vollkommen unkorrekt, anarchisch, asozial. Aber vor allen Dingen ist “Machete Kills” eines: verflucht kurzweilig. Und es wird wohl auch seinen Grund haben, dass die Filmstars dieser Welt den Mann förmlich um Rollen anbetteln. Antonio Banderas, Cuba Gooding Jr., Amber Heard, Sofia Vergara, Jessica Alba, Michelle Rodriguez, Mel Gibson, Lady Gaga und dieser mysteriöse Newcomer namens Carlos Estevez, der zufällig wie Charlie Sheen aussieht, machen klar, dass es sich hier um eine durchaus hochkarätige Genre-Parodie handelt, und nicht um eine zweitklassige, platte Verarsche à la “Scary Movie”. Natürlich ist “Machete Kills” voll mit Stereotyen und Klischees, aber er ist dabei niemals unoriginell. Wer hier billige Teenie-Unterhaltung erwartet, wird restlos enttäuscht. “Machete Kills” ist Erwachsenen-Kino, das mit Mut zum “Immer-noch-eins-draufsetzen” glänzt und sich damit mehr als nur bereitwillig angreifbar macht. Die Maßlosigkeit der Übertreibung ist Programm und Kalkül. Jeder Kritiker, der ausgerechnet darin eine Schwäche sieht, hat das Konzept des Films einfach nicht verstanden.

Machete stirbt nicht

Und die Handlung? Nun, die ist tatsächlich schnell erzählt: Danny Trejo aka Machete rettet die Welt. Reicht das etwas nicht? Wer Details wissen will, soll sich verdammt nochmal den Film anschauen oder die Synopsis auf Wikipedia lesen. Machete zerhackt, zerfleddert, zerstört, wickelt Gedärme um Rotorblätter von Helikoptern und – Machete stirbt einfach nicht. Darauf kann man sich verlassen, und das ist großartig. Er hängt am Strick und schaut seinen Henker so grimmig an, als hätte dieser ihm gerade aus Versehen beim Reden ins Gesicht gespuckt – und nicht hingerichtet. Machete ringt mit Atomraketen und er jagt Tausende von Volt durch seinen Körper, aber Machete stirbt einfach nicht. Er ist ein Super-Antiheld mit einer einzigen, penetranten Superkraft: Machete stirbt einfach nicht. Scheiß auf Superman. Wenn ich mir einen von beiden als Leibwächter aussuchen müsste, ich würde Machete nehmen, denn eines ist sicher: Machete stirbt nicht. Das Tolle dabei ist, dass “Machete Kills” trotz aller Berechenbarkeit niemals langweilig wird. Der Zuschauer wird durch immer neue absurde Twists und absurd brutale Action in einem Zustand ständiger, freudiger Erregung gehalten. Natürlich nur, wenn man mit Humor weit unter der Gürtellinie klarkommt und hier nicht bei jedem Tiefschlag nach Mami ruft.

Machete Kills Again … In Space?

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Dass Rodriguez keinesfalls vorhat, seinen ärschetretenden Badass in den Ruhestand zu schicken, wird schon zu Beginn des Films klar, als der grandiose Trailer zum dritten Teil “Machete Kills Again … In Space” läuft, dessen Handlung dann auch zum Ende des Films vorbereitet wird. Und hier kommen sogar “Star Wars”-Nerds auf ihre Kosten, wenn Mel Gibson Michelle Rodriguez im Han-Solo-Style in Carbonit einfriert oder die unausweichliche Laser-Machete heraufbeschworen wird. Das ist so genial respektlos, dass ich dem Film alle inhaltlichen Schwächen verzeihen kann und mich einfach nur freue, dass es im Filmbusiness noch Menschen wie Robert Rodriguez gibt, die das tun, was sie lieben und worauf sie Bock haben. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Haters gonna hate. Aber Machete wird niemals sterben.


(Trailer Direktlink für Mobiluser)

“Machete Kills” ist seit dem 23.05.2014 auf  Blu-ray, DVD und Video on Demand erhältlich.


MACHETE KILLS, USA 2013, 107 Minuten – Regie: Robert Rodriguez. Buch: Kyle Ward. Mit: Danny Trejo, Amber Heard, Michelle Rodriguez, Mel Gibson, Antonio Banderas u. a.

Marvin Mügge

Marvin Mügge

Weltraumpräsident at Weltenschummler
Gonzo-Journalist. Hat als Einziger das Ende von Lost verstanden und eine hohe Trash-Toleranzgrenze. Serienaddict, Kinogänger, Medienkritiker, GIF-Sammler und gescheiterter Physiker. Gründer von Weltenschummler.
Marvin Mügge
- 4 Monaten ago
Marvin Mügge