300: Rise Of An Empire – Filmkritik

300: Rise Of An Empire

“300: Rise Of An Empire” basiert auf einer Graphic-Novel-Vorlage von Frank Miller, die noch gar nicht erschienen ist. Fortsetzungen sind selten so gut wie das Original. Mit Noam Murro wagt sich ein Neuling mit wenig Kinoerfahrung an die Regienachfolge von Zack Snyder. Es gibt viele Gründe, warum “300: Rise Of An Empire” bereits vor dem Filmstart totgeredet wurde. Ich hab mir den Film angeschaut und finde, dass ein passabler Nachfolger entstanden ist, der dem Alleinstellungsmerkmal des ersten Teils – der visuellen Ästhetik – in nichts nachsteht.

Wenn Zack Snyder sich eines Filmstoffs annimmt, kommt meist etwas Gutes dabei raus. “300“, “Man of Steel“, “Watchmen” — ok, “Sucker Punch” war desaströs (um nicht zu sagen: einer der schlechtesten Filme aller Zeiten), aber grundsätzlich bin ich erstmal nicht abgeneigt, wenn Herr Snyder was auf die Leinwand bringt. Beim heute in den Kinos startenden Sequel “300: Rise Of An Empire” hat Snyder zwar die Regie an Newcomer Noam Murro abgegeben, aber immerhin neben der Produzentenrolle auch das Drehbuch zu verantworten. Und Eva Green spielt einen Bösewicht, in den man sich glatt verknallen könnte.

Triumph des Visuellen über die Story

Wenn man mich fragen würde, warum “300” ein genialer Film war, dann würde ich sagen: “Wegen der großartigen, comichaften Ästhetik.” Klar, die Story von den zahlenmäßig absurd unterlegenen Spartanern, die gegen die Legionen des Gottkönigs Xerxes kämpfen, war auch irgendwie nett und hatte einige Gänsehautmomente, aber für mich war “300” vor allem ein visuelles Erlebnis und mehr atemberaubende Bildkunst als tiefschürfendes Storytelling. Dementsprechend gespannt war ich auf die Fortsetzung. Wobei – “300: Rise Of An Empire” ist nicht wirklich eine Fortsetzung, denn die Handlung läuft zum größten Teil parallel zu der Schlacht bei den Thermopylen. Statt den Spartanern dürfen wir dieses Mal den Athenern beim Metzeln und Gemetzeltwerden zuschauen, und was soll ich sagen: Es macht wirklich Spaß. Die Bilder sind noch gewaltiger, die Schlachten noch monumentaler und die Graphic-Novel-Optik wurde ein weiteres Mal filmisch sehr gut umgesetzt.

3D als Werkzeug der Gigantomanie

Ich geb mal einige Beispiele: Einer der besten 3D-Momente, die ich bisher im Kino erleben durfte, war die Szene, als Xerxes (Rodrigo Santoro) auf den Balkon seines Palastes tritt, auf sein Volk hinabschaut und den Krieg gegen die Griechen verkündet. Der Panoramablick über Xerxes’ Schulter ist mehr als nur imposant, und in solchen Momenten freue ich mich über die 3D-Technik, weil ich die räumlichen Dimensionen viel besser erfassen kann. Wenn die persische Flotte über absurd große Wellen pflügt und ein gigantischer Mond am Nachthimmel über der griechischen Küste hängt, kann man sich vollkommen in dieser surrealen, größenwahnsinnigen Welt verlieren. Das Stilmittel der schamlosen Übertreibung zieht sich durch den ganzen Film und mag den einen oder anderen Kritiker empören – ich finds dufte.

Gegen Eva Green stinken alle anderen ab

Die Story hingegen ist erwartungsgemäß eher dünn, auch wenn sie ihre Höhepunkte hat. Sullivan Stapleton in der Rolle des griechischen Generals Themistokles wirkt im Vergleich zu Gerard Butlers Leonidas furchtbar blass und kann der Figur nicht zu echtem Glanz verhelfen, und der Plot strotzt nur so vor historischen Fehlern. Den Anspruch der historischen Korrektheit hat “300: Rise Of An Empire” aber auch gar nicht – Fiktion ist nun mal oft spannender als die Realität. Wirklich hinreißend jedoch ist Eva Green als Themistokles’ Gegenspielerin Artemisia. Die Oberbefehlshaberin der persischen Flotte ist die einzige Figur, die dem gähnend langweiligen, stereotypen Muster der anderen Charaktere entfliehen und ihrer Rolle eine interessante Ambivalenz verleihen kann. Das mag zum einen daran liegen, dass Artemisia im Drehbuch nun mal so angelegt ist, zum anderen spielt Eva Green einfach großartig. Die beste Szene des Films ist ihr Tête-à-Tête mit Themistokles, in der sie quasi sekündlich zwischen verschiedenen Facetten ihrer Persönlichkeit wechselt. Sehr intensiv und ganz großes Kino.

Fazit/tl;dr

“300: Rise Of An Empire” ist ein Film mit hoher visueller Qualität und einer passablen Story, die durchaus unterhalten kann, wenn man auf Action mit einem gewissen Splatter-Faktor steht. Wer “300” mochte, wird “300: Rise Of An Empire” ebenfalls mögen. Und Eva Green ist der Knaller.

Meine Wertung: 7/10 Punkten.

300: RISE OF AN EMPIRE, USA 2014, 102 Minuten – Regie: Noam Murro. Buch: Zack Snyder, Kurt Johnstad. Mit: Sullivan Stapleton, Eva Green, Rodrigo Santoro, Lena Headey u. a.

Trailer:

Marvin Mügge

Marvin Mügge

Weltraumpräsident at Weltenschummler
Gonzo-Journalist. Hat als Einziger das Ende von Lost verstanden und eine hohe Trash-Toleranzgrenze. Serienaddict, Kinogänger, Medienkritiker, GIF-Sammler und gescheiterter Physiker. Gründer von Weltenschummler.
Marvin Mügge
- 2 Monaten ago
Marvin Mügge