Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker: Trash, Gore & Rock ‘n’ Roll

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Dieser Artikel enthält wüste Beleidigungen, Schimpfwörter und Penisse. Tut Euch das nicht an und lest was anderes.

Echt jetzt.

Zwei infantile Loser, dessen Tageshighlight durchaus schon mal ein Wettpissen vom örtlichen Wasserturm sein kann, mysteriöse Spinnenwesen, die von Menschen Besitz ergreifen und sie in wütende Zombies verwandeln, ein äußerst derber Humor und versehentlich verschickte Bilder von Penissen: die Zutatenliste von “Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker” liest sich wie eine Mélange der gängigen Horrorkomödien-Klischees und ist doch alles andere als langweilig. David Wongs zweiter Roman ist ein echter Pageturner und wartet mit literarischen Leistungen auf, die man nicht unbedingt in einem Trash-Roman erwarten würde.

Vorsicht vor dem Penis

Wobei das mit dem trashigen ersten Eindruck natürlich eine gewollte Koketterie ist, wenn man sich das Cover anschaut: In 80er-Jahre-Neongrün prangt mit pinkem Schlagschatten der unhandliche Titel “Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker” auf dem Einband des kürzlich bei Metrolit erschienen Taschenbuchs. Der Originaltitel des Sequels zu Wongs verfilmtem Erstling “John Dies at the End” lautet “This Book is Full of Spiders: Seriously Dude Don’t Touch it”, was ich persönlich etwas gelungener finde, erinnert es doch – nicht ohne Ironie – an die bekannten Clickbaiting-Headlines von Buzzfeed & Co. Doch dazu später mehr.

Ich schlage die ersten Seiten auf und sofort springt mir ein eher ungewöhnlicher Warnhinweis ins verdatterte Gesicht:

ACHTUNG! DIESES BUCH ENTHÄLT DRASTISCHE BESCHREIBUNGEN VON MONSTERN UND MÄNNLICHEN GESCHLECHTSORGANEN!

Ok. Auch wenn das niemanden wirklich schockt, ist es auf jeden Fall ein Statement und weckt meine Neugier. Also auf einer rein literarischen Ebene. Nicht wegen den Penissen. Egal… Es folgt ein angenehm kurzer Prolog, bei dem David Wong noch eins draufsetzt und konstatiert:

Wenn Sie wissen, wer ich bin, haben Sie wahrscheinlich das vorige Buch gelesen, und ich weiß, was Sie jetzt denken. Darauf kann ich nur antworten: “Ficken Sie sich selber.”

Spätestens jetzt ist klar, wo die Reise hingeht: Dave Wong möchte nicht nur schocken – er möchte rocken (Verzeihung für das plumpe Wortspiel, aber das war einfach zu verlockend). Und das schafft er auch. Ich finde sofort einen intuitiven Zugang zur Story und ihren beiden Helden Dave und John und fühle mich nicht einfach nur gut unterhalten, sondern genieße die unverkrampfte Schreibe geradezu. An dieser Stelle schon mal ein großes Kompliment an den Metrolit Verlag, sich an ein so erfrischend unkonventionelles Projekt heranzutrauen.

Der erzählende Autor

david-wongEin weiterer Faktor, der zu meiner Begeisterung für “Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker” beiträgt, ist, dass der Autor David Wong gleichzeitig auch einer der Protagonisten des Romans ist, wodurch der Text an Selbstreferenzialität nur so sprudelt und tolle Metaebenen im Storytelling aufmacht. Hinter dem Pseudonym “David Wong” versteckt sich übrigens niemand Geringeres als Jason Pargin, Executive Editor von Cracked.com – womit wir auch den Clickbaiting-Stil des Originaltitels geklärt hätten.

Interessante Anekdote: Bei amazon.com ist das Buch deutlich erfolgreicher als hierzulande, was selbstverständlich daran liegt, dass Jason Pargin aka Dave Wong in den USA viel populärer ist als bei uns, zum anderen aber wieder zeigt, wie sehr die Headline über den Erfolg eines Textes entscheidet. Während Wong im Original den absurden Drang im Leser weckt, einem gut gemeinten Ratschlag zuwider zu handeln (“Seriously Dude Don’t Touch it”), hat man im Deutschen versucht, so viele für die Zielgruppe relevante Signalwörter wie möglich in den Titel zu klatschen: Inferno, Zombies, Massaker…

Bla bla bla – Komm ma aufn Punkt!

Wenn ihr meine Buchkritik bis hierhin gelesen habt und euch fragt: “Schön und gut. Aber worum geht es nun eigentlich in diesem Buch?”, kann ich im Sinne des Autors nur entgegnen: “Fickt euch selbst.” Zu dem Punkt komme ich, wenn ich so weit bin. Und zwar jetzt:

Dave und John sind zwei Menschen, die man auf eine schräge Art zwar irgendwie als sympathisch empfindet, aber zu einer Bevölkerungsgruppe gehören, die man in den USA als “White Trash” bezeichnet. Arm, ungebildet, unberechenbar, gefährlich und meistens kriminell. Kein Wunder also, dass Dave per Gerichtsbeschluss zu Besuchen bei einem Psychiater verdammt wurde, weil er mit Pfeil und Bogen auf einen Pizzaboten geschossen hat:

“Die Nachbarn haben gehört, wie Sie ihn angeschrien haben. Ich zitiere aus dem Polizeibericht: ‘Fahr zurück zur Hölle, du gottlose Kreatur, und sag Korrok, dass ich noch verdammt viele Pfeile übrig habe.'”

“Nun … das ist aus dem Zusammenhang gerissen.”

Für Daves Umwelt erscheint so ziemlich alles, was er tut, aus dem Zusammenhang gerissen, denn er und John haben die einzigartige Gabe, die Welt in Ungenannt so zu sehen, wie sie wirklich ist: Voller Monster, Wurmlöcher und Gefahren. Ausgerechnet dieses Talent führt allerdings dazu, dass sie eine biblische Plage von parasitären Horrorspinnen auf die Welt loslassen, die aus mehr oder wenig harmlosen Menschen zombieartige Amokkreaturen mit übermenschlichen Kräften und einer seltsamen Vorliebe für Truthähne machen. Und als wenn das nicht genug wäre, haben Sie natürlich noch die Polizei, das FBI und das Militär an den Hacken, die davon überzeugt sind, dass unsere beiden Helden einen satanischen Virus freigesetzt haben oder sonst irgendeine kranke Scheiße abziehen, die dafür sorgt, dass den Menschen bei lebendigem Leibe das Fleisch vom Gesicht fällt (dabei sind es natürlich die unsichtbaren Spinnen, die nur Dave und John sehen können)…

Was folgt, ist ein anhaltendes Crescendo von Absurditäten, Gore, Drogenexzessen und tiefschwarzem Humor, das mir wirklich außerordentlich viel Spaß beim Lesen bereitet hat. Denn nicht nur die Story strotzt vor Höhepunkten und spannenden Twists, sondern auch Wongs Schreibstil kann sich sehen lassen und erinnert mich teilweise mit seinen genial gesetzten Analogien und Metaphern an den guten, alten Robert Musil:

“Vom Parkplatz aus konnte ich mein Schlafzimmerfenster sehen, hinter dessen Scheibe orangefarbene Flammen am Glas leckten und die Vorhänge auffraßen.”

Oder:

“Die Säge ging aus, und ich hörte, wie mir John Fragen zurief […] Ich sprang auf die Beine und blickte angewidert an meinem Körper herab. Ich sah aus wie ein Kleinkind, das jemand unerklärlicherweise zu einem All-you-can-eat-Restaurant mitgenommen hatte.”

Nicht schlecht für einen Roman, der auf den ersten Blick nicht gerade poetische Höchstleistungen verspricht und die Aufmerksamkeit des Lesers zunächst mit Penissen zu ködern versucht. Und gerade dieser anarchische Umgang mit den Erwartungen des Lesers und die fabelhafte Selbstironie machen “Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker” neben der handwerklich soliden schriftstellerischen Arbeit zu einem wahren Lesevergnügen, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.


Kommentieren und gewinnen

Damit ihr auch in den Genuss dieser herrlich absurden Geschichte kommen könnt, verlosen wir mit freundlicher Unterstützung des Metrolit Verlages 2×1 Exemplar von “Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker“.

Die Teilnahme ist einfach: Hinterlasst einfach einen Kommentar unter diesem Beitrag und schon seid ihr dabei! Einsendeschluss ist Samstag, der 31.05.2014.

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Marvin Mügge

Marvin Mügge

Weltraumpräsident at Weltenschummler
Gonzo-Journalist. Hat als Einziger das Ende von Lost verstanden und eine hohe Trash-Toleranzgrenze. Serienaddict, Kinogänger, Medienkritiker, GIF-Sammler und gescheiterter Physiker. Gründer von Weltenschummler.
Marvin Mügge

@mueggemarvin

Freelance Journalist // Blog https://t.co/DUpcz185Ji // An den Social-Media-Tasten @BILDamSONNTAG // Movie Guy @turnon
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Marvin Mügge