Archiv für den Monat: Dezember 2012

Das Web zurückerobern? Ich bin dabei, Johnny!

Johnny Haeusler von Spreeblick hat einen großartigen Beitrag zur Bedeutung des Internets außerhalb der sozialen Netzwerke geschrieben. Unter dem Titel “2013: Das Web zurückerobern” legt er eindrucksvoll dar, welche Nachteile die immer mehr geschlossenen Systeme von Facebook und Co. haben. Und dabei wird er nicht einmal polemisch: das ganze “Social Media”-Ding ist grundsätzlich eine feine Sache - wir dürfen nur eines nicht vergessen: Das echte, freie Internet liegt außerhalb dieser Konzerne. Es sind die unendlichen Weiten des Internets, insbesondere die Blogs, die in der Tradition von wahrer Informationsfreiheit “leben” und ein offenes, transparentes System bieten. Die Funktion des Chronisten und die nachvollziehbare Dokumentation eines Gedankenaustauschs, die das Internet und insbesondere die unabhängigen Onlinemedien haben, gehen in den nahezu hermetischen Biosphären der sozialen Netzwerke immer mehr unter. Ich bin mal so frei, Johnny an dieser Stelle zu zitieren:

Wenn ich früher™ einen Artikel wie diesen hier auf Spreeblick veröffentlichte, stießen nach und nach ein paar andere Blogger darauf, verlinkten ihn vielleicht, und im besten Fall fand eine Diskussion dazu statt, die man auch Jahre später noch nachlesen konnte. Unter dem Artikel, direkt hier bei Spreeblick. Veröffentliche ich heute etwas, stoßen die meisten Leserinnen und Leser erst dann darauf, wenn ich den Link per Twitter und Facebook weitergebe, wo der Inhalt dann oft auch diskutiert wird. Ein Spreeblick-Artikel braucht heutzutage die Kommentar-Betreuung und ggf. meine Reaktion auf diversen Kanälen, die Debatte zerfasert, teilt sich auf und verschwindet schnell im Nirwana der Sozialen Netzwerke. Noch schlimmer: Wenn auf einen Tweet verschiedene interessante Antworten folgen, sind diese nach kurzer Zeit verloren, eine Dokumentation ist beinahe unmöglich. Und das ist Mist.

Das Web sammelt Wissen und dokumentiert Menschheitskultur. Es ist für jeden zugänglich, der einen Internet-Anschluss hat. Wenn dieses Wissen und diese Dokumentation jedoch immer mehr hinter verschlossenen Türen in Räumen stattfindet, die von wenigen kontrolliert werden, die nur diejenigen eintreten lassen, die zunächst ihre Daten hinterlassen und ihre Rechte abgeben, dann wird das Web verkümmern, zu einem obskuren Nerd-Spielplatz werden oder ganz sterben.

Es lässt sich jedoch jede Menge tun, um dies zu verhindern. Wir können – und das geht zu allererst an mich selbst – wieder mehr bloggen, auch wenn es sich nur um einen kleinen Link handelt, den man postet. Wir können – und das geht zu allererst an mich selbst – wieder mehr Blogs verlinken und wieder mehr auf Blogs kommentieren statt auf Facebook oder Twitter. Und wir können – und das geht zu allererst an diejenigen, die coden können – uns kommerzielle Dienste ansehen und von ihnen lernen. Mobile Apps, die uns die Arbeit erleichtern; Blog-Designs, die klar verständlich auch für Erstbesucher sind; Tools, welche die Vernetzung unter Blogs weiter verbessern; Werkzeuge zum Abonnieren von Blogs, die keine Auseinandersetzung mit RSS-Readern brauchen (Mail-Abos z.B. dürften für die meisten Nutzer einfacher sein); vielleicht sogar Rating- oder “Like”-Systeme, die Blog-System-übergreifend funktionieren …

Ich stimme dir voll und ganz zu, Johnny, auch wenn ich der Meinung bin, dass gerade die RSS-Technologie eigentlich diejenige ist, die uns bereits jetzt bietet, was wir brauchen, um das Web zurückzuerobern. Das Problem dabei ist, dass sie auf die meisten Otto-Normal-User wie ein archaisches Rudiment aus prähistorischen Zeiten wirkt, da die meisten Reader - oder zumindest die, die ich kenne - ihren Fokus auf Informationsverteilung und nicht auf hochgestylte, hübsch gepimpte Interfaces legen. Die uniformiert-individualisierte Gleichförmigkeit der Benutzeroberflächen von sozialen Netzwerken erobert sich die Akzeptanz bei der Generation Social Media durch eben diese visuelle Vertrautheit.

Dabei kann ein RSS-Reader so viel mehr als z. B. Facebook - ich sehe und lese wirklich nur das, was mich interessiert und was ich abonniert habe - und keine gesponsorten Meldungen. Ich muss auch keine Rechte abgeben oder Fotos von mir hochladen. Ich erhalte Informationen von so vielen Websites, wie ich es möchte, ob es nun drei sind oder 300. Die Interaktivität ist trotzdem gegeben: Über das Website-eigene Kommentarsystem kann ich genau dort meinen Senf dazu gegeben, wo die Bratwurst gemacht wurde: auf dem Blog. Und genau da gehört der Senf auch hin. Leider ist es ein Tool, das eben nicht vom lesenden Publikum genutzt wird, sondern fast ausschließlich von Content-Publishern, was dazu geführt hat, dass viele Websites gar keinen Feed mehr anbieten, sondern nur noch auf ihre Social-Media-Präsenzen hinweisen.

Jeder, der Content produziert, zum Beispiel durch einen Blog, kann diese Technologie nutzen. Sie ist frei und neutral, unabhängig von durch Konzernen bestimmte und monetarisierte Informationsflussprioritäten. Die Vernetzung obliegt uns dabei selbst, wie du gesagt hast. Durch entsprechende Verlinkung und Kommunikation können wir uns ein eigenes Netzwerk bauen. Vielleicht müssen wir das Medium Blog auch einfach besser schätzen lernen. Während im englischsprachigen Raum die Blogger längst ein Selbstverständnis entwickelt haben, das ihrer medienwissenschaftlichen Bedeutung gerecht wird, machen wir uns hierzulande oft kleiner, als wir eigentlich sind. Der Blog bzw. die Onlinemedien allgemein haben den Printmedien längst den Rang abgelaufen was Aktualität und Geschwindigkeit angeht. Vom Aspekt der Interaktion her waren wir seit eh und je konkurrenzlos. Und was die Qualität der produzierten Inhalte angeht, sind wir oft auf Augenhöhe. Natürlich ist nicht jeder Schnäppchenblogger, der Amazonlinks postet, ein gestandener Journalist. Aber es gibt in Deutschland viele gute Blogger, die fantastische Arbeit leisten und immer noch den Makel des Möchtegern-Autors mit sich herumtragen.

However - ich schweife ab. Es geht also im Grunde, wie du auch gesagt hast, nicht darum, Twitter, Facebook und alle anderen zu verteufeln - sie sind wichtige und mächtige Werkzeuge. Aber wir (Blogger) sollten sie eben mehr als Ergänzung sehen, denn als Ersatz. Und wir müssen unser Selbstverständnis aufpolieren, indem wir uns selbst, unserer eigenen Arbeit und auch gegenseitig mehr Bedeutung und Respekt zukommen lassen, als wir das bisher getan haben.

Dieser Beitrag ist nun deutlich länger und emotionaler geworden, als es geplant war, aber er ist mein ganz persönlicher Flow of Consciousness, den ich nach Lektüre deines Artikels hatte. Ich danke dir an dieser Stelle ganz ausdrücklich dafür.

Bleibt nur noch zu sagen: Das Netz zurückerobern? Ich bin dabei, Johnny!

Gimmemore Take The Power Back on Spreeblick.


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Django Unchained Comic Book

DC/Vertigo Comics hat begleitend zur Filmpremiere in den USA eine Comic-Adaption zu Django Unchained veröffentlicht. Tarantino-Fans dort können das Django Unchained Comic Book #1 bereits seit 19. Dezember 2012 in den Läden und online erwerben, hierzulande ist es leider zum größten Teil noch nicht erhältlich oder vergriffen. Mit ein wenig Google-Geduld findet man aber den einen anderen Shop, bei dem man es bekommt (klick). Das Wired Magazine hat außerdem eine Bildergalerie veröffentlicht, auf der ihr euch ein Bild von dem Style des Zeichners R. M. Guera machen könnt; das obige Cover ist aus der Feder von Jim Lee. Das Ganze wird eine Mini-Serie von vier Bänden. Besonderheit: Es richtet sich genauestens nach dem vollen Originalskript Tarantinos, enthält also auch Szenen, die im Film weggefallen sind.

Gimmemore Django on Wired Underwire

Die besten Bilder des Jahres 2012

Twisted Sifter hat eine unglaubliche Sammlung der 100 besten Bilder des Jahres 2012 zusammengestellt. Von “Wow!” bis “WTF?” ist so ziemlich alles dabei, was das Auge begehrt. Nehmt euch die Zeit für die volle Dröhnung auf Twisted Sifter, hier gibts schon mal ein paar Teaser:

Artwork by Craig Alan via Artexpo (Eric Smith) on Flickr

Dieses Bild ist ein Werk von Craig Alan, die Pixel des Audrey-Hepburn-Portraits sind Menschen. Es wurde unter anderem auf der International Art Expo in New York auf Leinwand ausgestellt. Besonders bemerkenswert sind die roten Schatten am Mund - auch wenn diese natürlich bearbeitet wurden. Das Bild ist nur eines aus einer Reihe von mehreren People-Pixel-Kunstwerken.

Photograph by Nick Lippert (via Komo News)

Eine absolute Seltenheit ist das obige Bild von Nick Lippert: Es zeigt, wie der Mount Rainier einen Schatten auf die Wolkendecke wirft. Diese bemerkenswerte Phänomen tritt nur dann auf, wenn viele Faktoren zusammenspielen. Um so schöner, dass es festgehalten wurde. Mehr Bilder davon gibts bei Komo News.

Gimmemore amazing pictures: The Top 100 Pictures of the Day for 2012 @ Twisted Sifter

Jerry Seinfeld und die Kunst der Komik

Seinfeld, finally

Jerry Seinfeld. Ich treffe den Mann, der Misanthropie und Egomanie in den 1990ern salonfähig machte, auf dem Weg zu seinem Auftritt im Gotham Comedy Club, dem ersten Stand-up in seiner Heimatstadt New York City seit mehr als zehn Jahren. Seinfeld parkt seinen 1998er Porsche 911 Carrera 4S sehr sorgfältig aus, denn er möchte den Lack (Mexiko Blau) nicht beschädigen. Ich frage mich kurz, was aus dem schönen Saab 900 geworden ist, verwerfe den Gedanken jedoch wieder, als ich zu ihm in den Porsche steige. Es riecht nach edlem Leder und Erfolg. Denn den hatte der einst bestbezahlte Fernsehdarsteller der Welt tatsächlich: das Forbes Magazine schätzte Seinfelds Vermögen im Jahr 2010 auf ca. 800 Millionen US-Dollar. Und das mit einer Sitcom über “nichts”. Grund genug, mit dem Mann etwas eingehender über die Kunst der Komik zu reden. Und über Cindy aus Marzahn. Doch dazu später mehr.

Pop-Tarts und Karate

Foto: Alan Light / Flickr (CC)

Sarah Silverman, mit der Jerry, wie ich ihn nennen darf, lange Zeit gemeinsam auftrat, sagte einmal über ihn, während die meisten Komiker hundsfaule Bastarde seien, wäre er der ultimative Handwerker. Es gibt Gags, an denen er jahrelang feilt, immer wieder, immer weiter, bis sie das perfekte Timing haben. Manchmal sei es nur ein einziger überflüssiger Buchstabe, der den ganzen Flow zerstören könne, so Seinfeld. In den 1960ern, als er noch ein Kind war und Kellog’s die Pop-Tarts erfand, wusste er sofort, dass er mal einen Gag darüber schreiben würde. Das Wort “Pop-Tart” schrie förmlich danach. Und an diesem Ding sitzt er noch heute, probiert es aus, verwirft, justiert. Wenn es einmal zündet, zündet es immer. Er sei kein Typ wie Louis C. K., der im gefühlten Wochentakt neue Programme raushaut. Letzterer hat einen Trend etabliert, den viele heutzutage als die Königsdisziplin der Komik ansehen, als “black-belt stand-up”: immer wieder von null anfangen, immer aktuell sein, immer anders, sich ständig neu erfinden. Das sei nicht seine Welt. “Ich möchte deine beste Arbeit sehen, nicht deine neueste.” Wenn Seinfeld einen einstündigen Auftritt wie jenen im Gotham Comedy Club hat, dann greift er dabei auf ein ca. zweistündiges Grundrepertoire zurück, das er wie einen modularen Baukasten je nach Situation zusammensetzen kann. Seinfeld liebt die Subtilität; verglichen mit deutschen Verhältnissen entspricht er eher einem Loriot als einem Mario Barth.

Das Restaurant

Foto: Danny-w / Wikimedia Commons (CC)

Nach Jerrys Auftritt frage ich ihn, wie zufrieden er ist. “Zwei Drittel war Müll. Bei den Pointen hab ich mich verzettelt und ich war nicht im Rhythmus. Aber das ist in Ordnung, es war nur ein Workout.” In der Tat war diese Show nur eine Vorbereitung auf seine New-York-City-Tour quer durch alle Bezirke. Als wir wieder im Porsche sitzen, kommen wir an dem legendären Restaurant direkt am Broadway vorbei, in dem er, Kramer, Elaine und George immer abgehangen haben. Also er, Seinfeld-Jerry. Wobei Seinfeld-Jerry und Jerry Seinfeld schwer zu trennen sind, hob er doch diese sonst übliche Grenze zwischen Darsteller und Rolle auf, indem er sich selbst verkörperte. Oder zumindest eine Version seiner selbst. “Wollen wir anhalten und was essen?”, fragt er. Mein Herz schlägt wie verrückt. Ich drehe mich instinktiv um und will auf den Rücksitz schauen, um mich zu vergewissern, dass er nicht George meint. Aber kein Rücksitz (Porsche). Kein George. “Ja, Sir, Jerry, Mr. Seinfeld”, entgegne ich peinlich stotternd. Wenn es so etwas wie den heiligen Gral für Menschen wie mich gibt, die in den 90ern als junge Erwachsene durch amerikanische Sitcoms sozialisiert wurden, dann ist es wohl mit Jerry Seinfeld im Corner Restaurant zu sitzen und ein wenig über die kleinen und großen Dinge des Lebens zu fachsimpeln. Oder noch besser: zu lästern.

Mücken, Elefanten und Superman

Jerry bestellt einen Kaffee; ich tue es ihm gleich und schaue mich wieder um. Wen werde ich noch treffen? Kramer? Newman? Den Suppen-Nazi? Ich versuche mich zu sammeln und frage Mr. Seinfeld, wer seine Vorbilder waren. “Bill Cosby war großartig. Was er mit seiner Stimme anstellen konnte, hat mich tief beeindruckt. Jean Shepherds epische und verschrobene Radiomonologe lehrten mich, wie man aus kleinen Dingen große Angelegenheiten macht, wenn man sie nur eingehend genug betrachtet. Doch derjenige, der mich zu der Überzeugung brachte, dass ich es zu was bringen könnte, war Robert Klein. Er war wie ich ein Junge aus der Mittelschicht.” Diese Herkunft schlug sich auch in seiner Vita und seiner Arbeitsauffassung nieder: Seinfeld studierte Kommunikations- und Theaterwissenschaften am Queens College, initiierte eine unabhängige Studie über Stand-up und analysierte die Sets seiner Kollegen. Als er 1981 seinen ersten Auftritt in Johnny Carsons “Tonight Show” ergatterte, probte er sein fünfminutiges Set an die 200 Mal, während er mit dem “Superman”-Theme auf seinem Walkman durch Manhattan joggte. Das typische Klischee vom traurigen Clown, der ein emotionales Loch füllen möchte, treffe auf ihn nicht zu, so Seinfeld über sich selbst. Er sehe sich mehr als Leistungssportler, denn als tragikomische Figur. “Ich spiele ein sehr schwieriges Spiel. Wenn du jemanden sehen willst, der sehr gut in einem sehr schwierigen Spiel ist - das ist das, was ich tue.” Die eskapistischen Wünsche des Publikums bedient er dennoch, wenn er aus den sprichwörtlich mückenhaften Trivialitäten des Lebens elefantös komische Katastrophen macht. In einem Gag, den er jahrzehntelang erzählte, bezeichnet er zum Beispiel eine verstopfte, überlaufende Toilette als den furchteinflößendsten Moment im Leben eines menschlichen Wesens.

Das utopische Nichts

Und genau diese grotesken Überhöhungen machten die Serie “Seinfeld” so populär. Er selbst bezeichnet die Show als “Utopie”: Die moralische Abkoppelung vom Rest der Gesellschaft, die das infernalische Quartett um Jerry Seinfeld, George Costanza, Elaine Benes und Cosmo Kramer auszeichnete, war extrem und gnadenlos. Nicht umsonst landete die Gruppe zum Serienfinale wegen moralischer Inkompetenz im Gefängnis. Auf die Frage, ob “Seinfeld” wirklich eine Show über “nichts” war, antwortet er, dass die Geschichten nicht so trivial gewesen wären, wie sie auf den ersten Blick schienen. Wenn man das Publikum zuhause zum Lachen bringe und so in ihre Küche, ihr Wohnzimmer und Schlafzimmer gelange, sei das eine sehr intime Angelegenheit, die das Leben der Menschen tief durchdringe. Auf meinen Einwurf, dass das auf eine wunderbare Art old-school sei, entgegnet er: “Ja, ich bin old-school. Wenn ich in einem Theater auftrete, ziehe ich mir einen Anzug an.” Er habe kein Interesse an Trends wie thematischem Humor, absurden Gedankensprüngen oder augenzwinkernden Meta-Witzen.

Newman!

Foto: Digitoxin / Flickr (CC)

Ich könnte das Gespräch noch tagelang weiterführen, fühle jedoch, dass ich langsam zum Ende kommen muss, weil Jerry schon vor einer halben Stunde bezahlt hat. Doch eine Sache muss ich noch auf den Tisch bringen: Ich frage ihn, ob er schon einmal etwas über Cindy aus Marzahn gehört hat. “Cindy what?” Genau. “Cindy aus Marzahn. Sie wurde bereits zum vierten Mal hintereinander zur besten deutschen Komikerin gewählt.” Ich halte ihm ein Foto hin. “Well, she —” Jerry schaut mich fragend an. Ich nicke. “— Get out! Really?” Ich nicke wieder. “Well, she looks funny, kind of. She —” Ein spitzbübisches Grinsen stiehlt sich auf sein Gesicht. “— she reminds of Newman.” Ich erzähle Jerry von einem Artikel der New York Times über Cindy, der sie als unfreiwillige Komikerin des Volkes bezeichnet. Sie sei eine ehemalige Hartz-IV-Empfängerin, eine “welfare queen”, die mit der Darstellung dieses deutschen Stereotyps einer fetten, dummen und faulen Sozialschmarotzerin zur erfolgreichsten Komikerin des Landes aufgestiegen sei. Der Autor des Artikels versucht der nicht-deutschen Leserschaft zu erklären, woher der Erfolg dieser Figur rührt und dass ihr Publikum hauptsächlich aus den Leuten bestehe, die sie eigentlich persifliere. Sie seien eben nur zu dumm, das zu verstehen und erheben sie stolz zur Heldin, weil sie “eine von ihnen” sei und “es geschafft habe”. Jerry schaut mich entgeistert an. “So, what?” Ich frage ihn, ob er das lustig findet. Würde er sich eine Show von ihr ansehen? Was sagt das über unsere Kunst der Komik aus? Er grinst mich an und sagt: “Well, comedy is a very intimate thing, as I told you before and… yada, yada, yada.”

Als wir an diesem Abend Tom’s Restaurant verlassen und auf den Broadway treten, verabschieden wir uns mit einem Lächeln auf den Lippen.

Gimmemore Seinfeld:
Seinfeld - Season/Staffel 1-9 Komplett - Set [32DVDs]


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Warnung vor dem Gonzo: Dieser Artikel ist eine gonzojournalistische Reportage. Fiktion und Realität wurden ganz bewusst vermischt. Er stützt sich zu einem großen Teil auf eine Arbeit des New York Times Magazines, erschienen am 20.12.2012 (“Jerry Seinfeld Intends to Die Standing Up“, Autoren: Jonah Weiner/Sheila Glaser) und einen weiteren Beitrag der New York Times vom 21.12.2012 (“An Accidental Comedian of the People“, Autor: Nicholas Kulish).

Merry Xmas!

Ick wünsch euch allen frohe Weihnachten, ihr Kackbratzen! Um angesichts dieses spontanen Gefühlsausbruchs dennoch halbwegs das Niveau zu wahren, gibts hier ein paar Retro-Xmas-Playboy-Cover [via Retronaut]. Sehr schick.

Gimmemore Retro-Playboy-Xmas-Cover here:

Christmas Playboy 1953-2004

Geschenktipp: Lamborghini Murcielago zum Schnäppchenpreis

Na, noch auf Geschenksuche? Auf ebay gibt es einen Lamborghini Murcielago zum wahren Schnäppchenpreis - schlappe 10,000 US-$. Laut Auskunft des Verkäufers braucht das Teil nur eine ordentliche Politur und einen Ölwechsel.

2003 Lamborghini Murcielago Clean One Owner, needs a good buffing and oil change

[via Neatorama]

Text Adventure Interview mit Dave Lebling

Das Wired Magazine hat anlässlich der Auszeichung der Zork-Programmierer Marc Blank and Dave Lebling mit dem Pioneer Award ein Interview mit Lebling im Text-Adventure-Style veröffentlicht. Genau wie in den 80ern bei Zork muss man sich durch das Interview tippen und die richtigen Handlungen eingeben. Genial.

Text Adventure: Zork Creators Honored With Pioneer Award

[via Nerdcore]

JY Cinemashups by Jeff Yorkes: The Big Lebowski & The Shining VS John Lennon & Quincy Jones

Ein interessantes Projekt des Fimemachers Jeff Yorkes gibt es auf vimeo zu bestaunen: JY Cinemashups. Er schneidet Klassiker der Filmgeschichte mit passenden Songs zusammen und heraus kommen echt herrliche Videos. Jack Nicholson verfällt zu John Lennons Instant Karma in The Shining dem Wahnsinn und The Big Lebowski bowlt zu Quincy Jones’ gleichnamigem Song. Großes Kino.

Gimmemore JY Cinemashups on vimeo

[via Interweb 3000]

White Hobbit Cake

Dass die Hobbits sich gerne kulinarisch verwöhnen lassen, ist ja jedem bekannt, aber über diesen White Hobbit Cake hätten sie sich garantiert besonders gefreut. Das Ding ist im Grunde ein Modell von Beutelsend mit Bilbo, Gandalf und Thorin Eichenschild. Gandalf ist zwar fälschlicherweise weiß und nicht grau, aber hey - nobody’s perfect. Mnom-mnom-mnom.

White Hobbit Cake @ Cake Central

[via Neatorama]