iTunes Killed the Video Star

Image Credit: Travis Morgan / Flickr (CC)

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Ich bin ja eigentlich kein Freund von diesen “Das Internet hat die Musikindustrie kaputt gemacht”-MP3-Hasstiraden. Denn abgesehen von den wortwörtlich auf der Hand liegenden Vorteilen einer Vinylscheibe oder CD kann man den Fortschritt nun mal nicht aufhalten. Das MP3-Format und das Netz haben letztendlich auch zu einer höheren Verbreitung von Musik geführt und die eine oder andere Karriere ermöglicht, die andernfalls höchstwahrscheinlich nicht so passiert wäre.

Genau das zeigt sich auch in der Infografik, die CNN jetzt anlässlich des 10-jährigen Bestehens des iTunes-Stores erstellt hat. Klickt man jedoch weiter und schaut sich die korrelierenden Umsätze an, erkennt man sehr schnell, warum das Gejammer der Musikindustrie so groß ist: die verkauften Einheiten sind – wie bei jeder Einführung einer neuen Trägertechnologie zuvor auch – zwar gestiegen, aber gleichzeitig ist der Umsatz massiv eingebrochen.

Die Frage ist nun: zu Recht? Waren manche Künstler bzw. deren Labels vielleicht hoffnungslos überbezahlt? Haben die Musikschaffenden vorher in einer Art Schlaraffenland gelebt und müssen nun einfach der “bitteren” Realität ins Auge schauen? Die Zahlen der Infografik spiegeln immerhin die Entwicklung im weltweit größten Absatzmarkt für Musik wider – in den USA sank der Umsatz von knapp 20 Milliarden Dollar im Jahr 1999 auf 7.1 Milliarden Dollar in 2012. Ein Teil davon wurde von steigenden Ticketpreisen abgefangen – in den USA stieg der Umsatz mit Konzertkarten im Zeitraum 1999 bis 2009 von 1,5 Milliarden auf 4,6 Milliarden Dollar.

Also? Klar, die fetten Jahre sind vorbei. Die 1990er, die Ära von Musikvideos, MTV und Viva, in denen ein Umsatzrekord den nächsten jagte, sind passé. Auf der anderen Seite ist es heutzutage für unbekannte Künstler einfacher denn je geworden, Aufmerksamkeit zu bekommen. Und Aufmerksamkeit bedeutet dann halt irgendwann auch Geld. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das eine ganze Menge Arbeit bedeutet, bis man sich selbst mal im Radio hören kann – und dass die Erfüllung dieses Traums noch lange nicht bedeutet, dass man es jetzt auch nur ansatzweise geschafft hat. In jedem Fall ist das Spiel ein wenig offener geworden – offener für neue Artists, kleine Labels, für Kreative und schwieriger für die Global Player. Es ist die Sache der Industrie, mit den Herausforderungen des digitalen Zeitalters umzugehen. Und auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: am Hungertuch muss jedenfalls keines der Majorlabels nagen. Wenn überhaupt, dann trifft es (wie eh und je) die Kleinen.

Gimmemore of the krasse Infografik-Shit

Marvin Mügge

Marvin Mügge

Weltraumpräsident at Weltenschummler
Gonzo-Journalist. Hat als Einziger das Ende von Lost verstanden und eine hohe Trash-Toleranzgrenze. Serienaddict, Kinogänger, GIF-Sammler und gescheiterter Physiker. Gründer von Weltenschummler.
Marvin Mügge
- 2 Monaten ago