12 Anzeichen, dass die Menschheit sich auf eine Utopie zubewegt

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Bild: Aesopposea/Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0). Bearbeitung: Marvin Mügge/Weltenschummler (CC BY-SA 3.0).

Utopie ist ein großes Wort. Ein Wort, das oft missbraucht wird. Betrachtet man allerdings den wissenschaftlichen und technologischen Status quo, sind wir vielleicht gar nicht so weit weg von dem, was noch vor einigen Jahrzehnten als utopisch galt. Hier sind 12 Anzeichen, dass wir alle uns auf die ultimative Utopie zubewegen.

Science Fiction. Nicht Fiction Science.

Ich liebe Science Fiction. Und ich liebe Wissenschaft. Während meines Physikstudiums habe ich gelernt, dass die klassische Physik, die wir in der Schule lernen, nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Sowohl Quantenphysik als auch Relativitätstheorie bieten theoretische Möglichkeiten, die unser Vorstellungsvermögen sprengen: Zeitreisen, Wurmlöcher, Paralleluniversen – das ganze Spektrum wildester Sci-Fi-Träume. Vielleicht wird die Menscheit eines Tages Astronauten mit Raumschiffen durch Wurmlöcher in entfernte Galaxien entsenden. Das wäre dann in der Tat eine wahrgewordene Utopie. Bis wir das wissen, wird allerdings noch einige Zeit vergehen.

Doch man muss gar nicht so weit in die Zukunft schauen, um Anzeichen zu erkennen, dass die Menschheit sich schon jetzt auf eine Utopie zubewegt. Wir leben in einer hochtechnisierten Welt, mit Dingen, die vor einigen Jahren noch als absurd abgetan worden wären, und merken wie der Frosch im Kochtopf gar nicht, was um uns herum geschieht. Dinge, die es früher nur in der Science Fiction gab. Und sich jetzt der Fiction entledigt haben.

Hier sind 12 Anzeichen, dass die Menschheit sich auf eine Utopie zubewegt:

1. Das Internet

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Visualisierung eines Teils des Internets. Illustration: The Opte Project/Wikimedia Commons (CC BY 2.5)

Ja-haaaaaa. Das Internet. Ein weltweites Datennetz, das es ermöglicht, eine immaterielle Entität meiner Gedanken zu erschaffen, die mit euch kommuniziert. Auch bekannt als “Blog“. Ich tippe auf einer Maschine herum, die teilweise drahtlos (also ohne materielle Verbindung!) und in einer speziellen Maschinensprache mit einer anderen Maschine kommuniziert, die diese Daten wiederum an eine weitere Maschine sendet. Diese merkt sich, was ich geschrieben habe, und stellt meine Worte auf Anfrage jedem dar, der sich in dieses Netz einklinkt. So ungefähr könnte man es jemandem erklären, der hundert Jahre früher gelebt hat. Was hätte der wohl dazu gesagt?

2. Raumfahrt

Vor gerade mal etwas mehr als 50 Jahren, am 25. Mai 1961, verkündete John F. Kennedy, dass die Menscheit bis Ende des Jahrzehnts einen Menschen sicher auf den Mond und wieder zurück bringen werden. Bis heute haben ganze zwölf Menschen den Mond betreten, wir haben eine Raumsonde losgeschickt, die sich am Rand unseres Sonnensystems bewegt, wir haben eine Raumstation, die in 416 km Höhe um die Erde kreist und dessen Bewohner quasi in Echtzeit mit uns – über das Internet – kommunizieren können. (Die Daten von der ISS werden übrigens über einen Laserstrahl zur Erde übertragen.) Und wir haben mehrere autonome Fahrzeuge auf den Mars geschickt, die dort für uns nach Wasser und außerirdischen Lebensformen suchen. Aus dem Blickwinkel von 1961 könnte man sagen, wir sind dabei, den Weltraum zu erobern.

3. Hoverboards

Jedem, der sich in den letzten Wochen im Internet bewegt hat, dürfte nicht entgangen sein, dass es ab 2015 ein echtes Hoverboard zu kaufen geben wird. Möglich gemacht durch Crowdsourcing. Lustigerweise ist 2015 genau das Jahr, in dem Marty McFly in Zurück in die Zukunft II mit dem Hoverboard durch die Gegend levitiert. Bei Erscheinen des Films 1989 eine Utopie.

Video: Hendo Hoverboard: The World’s First Hoverboard

4. Teleportation

Weltweit arbeiten mehrere Wissenschaftlerteams an der Teleportationstechnologie. Eine Gruppe holländischer Physiker hat kürzlich ein Verfahren entwickelt, mit dem sie nicht nur Photonen, sondern auch mehrere Atome (also Materie) über eine Entfernung von drei Metern teleportierten. Und zwar jedes Mal, wenn sie es versuchten. Ich erspare mir und euch an dieser Stelle eine Aufzählung von Science-Fiction-Referenzen.

5. Künstliche Intelligenz

Der gute, alte Ray Kurzweil hat schon 2001 die These aufgestellt, dass eines Tages durch das Mooresche Gesetz eine technologische Singularität auftreten wird, die unsere Existenz allumfassend verändern wird. Er vermutet, dass unsere Maschinen eines Tages so intelligent sein werden, dass sie sich selbständig weiterentwickeln. In diesem Jahr hat eine KI das erste Mal den Turing-Test bestanden. Die KI war in der Lage, über einen Chat ein solch authentisches Gespräch zu führen, dass mehrere Wissenschaftler glaubten, am anderen Ende der Leitung säße ein Mensch.

Reicht nicht? Ich hab noch einen: IBM hat vor kurzem einen Chip entwickelt, der die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns imitiert und neuronale Netze bildet. Mit der richtigen Software und einer Kamera ist dieser Chip zum Beispiel in der Lage, Personen auf Fotos und Videos zu identifizieren. Es ist noch ein weiter Weg, bis solche Rechner auch nur annähernd die selbe Zahl neuronaler Verbindungen haben wie wir, aber der Tag wird kommen.

6. Exoskelette

Exoskelette, wie wir sie zum Beispiel aus Aliens – Die Rückkehr kennen, sind wortwörtlich eine große Sache. Und zwar in Schiffswerften. In Südkorea arbeiten schon jetzt Werftarbeiter mit Exoskeletten, die ihnen helfen, schwere Lasten zu heben. Ich möchte an dieser Stelle Ripley zitieren: “I can drive that loader. I have a Class-2 rating.” Nuff said.

7. Laserkanonen

Illustration: DARPA

Illustration: DARPA

Laserkanonen! Ich mein: Laserkanonen! Han Solo, die Stormtrooper und der ganze geile Scheiß aus meiner Kindheit mit Star Wars sind bereits wahr. Natürlich nicht ganz so, wie in Star Wars, aber waffenfähige Laser werden längst getestet und werden schon bald im Einsatz sein. Holy shit.

8. 3D-Drucker

3D-Drucker zählen zu den mächtigsten technologischen Entwicklungen der letzten Jahre. Von 3D-gedrucktem Essen bis hin zu medizinischen Implantaten bieten 3D-Drucker beeindruckende Möglichkeiten. Aber der Grund, warum sie wirklich unsere Welt verändern werden, ist die Dezentralisierung der industriellen Produktionsprozesse. Konsumenten werden in der Lage sein, ihre Nachfrage selbst zu befriedigen, indem sie sich einfach das passende Produkt drucken. Das schreit förmlich nach Utopie.

9. Roboter

Dass ich in diesem Moment zögere, Roboter in diese Liste aufzunehmen, zeigt, wie alltäglich manch wahrgewordener Sci-Fi-Traum bereits ist. Im Jahr 2004 waren weltweit bereits 2 Millionen Roboter im Einsatz, und auch wenn der finale Durchbruch in der Robotik-Forschung auf Grund überzogener Erwartungen schon des öfteren nach hinten verschoben wurde, ist die Forschung schon sehr weit. In den nächsten Jahren werden die ersten Autos in Serienproduktion gehen, die keinen menschlichen Fahrer mehr benötigen. Und insbesondere in Japan arbeitet man an der Erforschung von Service-Robotern, die bereits im nächsten Jahrzehnt bereit für den Massenmarkt sein sollen. Isaac Asimov lässt schön grüßen.

10. Traktorstrahlen

Die technische Machbarkeit von Traktorstrahlen, wie wir sie aus Star Trek & Co kennen, galt lange Zeit als der heiliger Gral der Laserphysik. Ihr ahnt es bereits: Auch hier ist vor kurzem ein Durchbruch gelungen. Australische Wissenschaftler haben kleine Glaskügelchen über eine Distanz von 20 Zentimetern bewegt. Mit fucking Traktorstrahlen.

11. Cyborgs

Cyborg Neil Harbisson

Bild: Dan Wilton/The Red Bulletin/Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Auch Cyborgs existieren bereits. Ich habe sie selbst gesehen, und zwar auf der re:publica 13. Dort durfte ich dem großartigen Vortrag von Neil Harbisson und Moon Ribas lauschen. Neil Harbisson ist weltweit der erste, von einer Regierung anerkannte Cyborg und trägt eine permanente technische Erweiterung, die es ihm ermöglicht, trotz seiner Farbenblindheit Farben wahrzunehmen. Die von ihm getragene elektronische Ausrüstung wurde vom britischen Staat offiziell als Teil seines Körpers und seiner Selbst anerkannt – und ist daher sogar auf seinem Pass zu sehen. Natürlich ist Harbisson kein Cyborg im Robocop-Sinne, aber ihr wisst, worauf das hinausläuft. Alles nur eine Frage der Zeit.

12. Zeitkristalle

Und wo wir schon bei Zeit sind: Wenn es einen limitierenden Faktor in der Wissenschaft gibt, der als unantastbar gilt, dann ist es die Zeit. Zeit ist ein Kontinuum. Ende. Fertig. Aus? Natürlich nicht: In Berkeley arbeiten Wissenschaftler an der Entwicklung von Zeitkristallen, die einen Bruch im Raumzeitkontinuum ermöglichen. (Und ganz nebenbei wäre der Apparat, den sie dort bauen, auch noch ein Perpetuum Mobile.)

Ich sags doch: Utopie!

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde das ziemlich überwältigend. Das Internet, Marsmissionen, Hoverboards, Teleportation, Künstliche Intelligenz, Exoskelette, Laser-Kanonen, 3D-Drucker, Roboter, Traktorstrahlen, Cyborgs und Zeitkristalle! Das sind alles keine unkonkreten Zukunftvisionen mehr, das sind Realitäten. Das Jahr 2014 ist derart weit entfernt von den kulturellen Rahmenbedingungen, die wir zum Beispiel noch vor 50 Jahren vorgefunden haben, dass man mit Fug und Recht behaupten kann: Wir befinden uns schon jetzt in einer Utopie.

Und jetzt, stellt euch mal einen Moment lang vor, wie die Welt im Jahr 2064 aussehen wird.

Marvin Mügge

Marvin Mügge

Weltraumpräsident at Weltenschummler
Gonzo-Journalist. Hat als Einziger das Ende von Lost verstanden und eine hohe Trash-Toleranzgrenze. Serienaddict, Kinogänger, Medienkritiker, GIF-Sammler und gescheiterter Physiker. Gründer von Weltenschummler.
Marvin Mügge
- 3 Wochen ago
Marvin Mügge